Paradise lost

Paradise lost

Das verlorene Paradies Neu aufgelegt hat der Reclam-Verlag "Paradise Lost" von John Milton. Es ist die kongeniale Übersetzung Hans Heinrich Meiers aus dem Jahre 1968. Sie bewegt sich, mehr als die anderen mir bekannten Übertragungen, am Versmaß Miltons mit einer gradiosen Leichtigkeit, bedarf keiner dichterischen Knüppeleien, sondern bringt den heroischen englischen Vers auch dem deutschsprachigen Leser ohne Verdrehungen und Fehler nahe. Miltons Verlorenes Paradies ist ein Werk von, nicht nur, literaturhistorischem Gewicht. Wie kaum eine andere abendländische Großdichtung der Neuzeit, hat es auf vielen Ebenen epochemachend gewirkt. Ihre philosophisch-religiösen Sichten waren dabei von ebensolcher Durchschlagskraft, wie ihre, wenn man so will, vers-politische.…

Der Harem.

Der Harem.

Verklärte Bilder wilder Orgien Seit jeher beflügelt die (europäische) Vorstellung vom orientalischen Harem die erotischen Phantasien von Schriftstellern. Vor dem innere Augen des unbedarften europäischen Mannes tauchen Bilder von wilden Orgien, die immer wieder in der erotischen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts ihren Widerhall finden, und sinnliche Liebesaffären auf. Der promovierte Literaturwissenschaftler und Autor Peter Prange und die promovierte Orientalistin Agnes Imhof haben sich dem Mythos des Harems über eine Auswahl von Literatur angenähert. 16 Auszüge aus Erzählungen, die jeweils von Agnes Imhof mit einer Einleitung versehen wurden, finden sich in dem Sammelband und verdeutlichen die Bandbreite zwischen romantisch-verklärter Sicht des Harems und der ins pornographisch  abzugleiten drohenden männlichen Phantasie.…

Happy Bissday

Happy Bissday

Postmoderne Vampire Seit den 70er Jahren hat die postmoderne Beliebigkeit auch im Vampir-Genre ausgebreitet – nicht unbedingt zur Freude von Fans des klassischen Genres. Beim gemeinsamen Kampf von Vampiren und Menschen gegen das Böse oder die Anreicherung des Plots durch die Einbeziehung anderer Fantasie- und Märchengestalten kann man als traditioneller Fan nur mit dem Kopf schütteln. Auch in der vorliegenden Sammlung „Happy Bissday“, in der sich Autoren Stories rund um die Verbindung von Vampirismus und Geburtstagen, d.h. letztendlich eine Verbindung der Pole „Leben“ und „Tod“.…

Klassenkampf: amerikanisch

Klassenkampf: amerikanisch

Crossing the Border Das gemeinsame Werk von Justin Akers Chacón und Mike Davis thematisiert die Migration – im zweiten Teil explizit die lateinamerikanische Migration am Beispiel Mexiko – und deren Zusammenhang mit dem Klassenkampf. Dabei richtet sich der Fokus des marxistischen Soziologen Mike Davis auf die Gewalt, die sowohl von privater als auch staatlich institutioneller Seite gegen die MigranntInnen ausgeübt wurde (z.B. die Pinkteron Agentur, Ku Klux Klan) und zeichnet die unterschiedlichen Wellen dieser Gewalt nach.…

Sex sells

Sex sells

Schlüpfrig „Sex sells...“ ist eine alte und bewährte Weisheit. Der Markt ist mittlerweile voll mit z.T. schlüpfrigen oder sich seriös gebärdenden Ratgebern für besseren Sex allein, zu zweit, zu dritt.. Gern gesehen werden in den letzten Jahren auch die Ratgeber für sexuelle Subkulturen jenseits der heteronormativen Blümchensexualität – Swinger, BDSMler und Cybersex sind der derzeitige Hype, von dem wohl auch Sabine und Wolf Deunan hoffen zu profitieren. Ihr Machwerk „Ein bisschen härter ist viel besser“, was vom verlag auch noch als „Das ultimative Einsteigerbuch für Paare!“ beworben wird, richtet sich an Pärchen, die sich zum ersten Mal an das Thema BDSM heranwagen. Dabei verspricht das Inhaltsverzeichnis einen praxisnahes Einsteigerbuch mit grundlegenden Informationen von Standardknoten für’s Bondage, Spanking-Tipps und Hinweise über Rollenspiele.…

Strudl! Hof!

Strudl! Hof!

Die Strudlhofstiege Heimito von Doderer (1896 bis 1966) hatte es faustdick hinter den Ohren. Soviel…

Jüdische Kultur

Jüdische Kultur

Jüdische Hochschullehrer 1870 - 1924 Andreas D. Ebert, Direktor der Klinikfür Gynäkologie und Geburtsmedizin des Vivantes Humboldt-Klinikums in Berlin, hat mit der vorliegenden Studie einen wichtigen Beitrag für die Erforschung deutscher Universitätsgeschichte geleistet. Anhand einer quantitativen Untersuchung des Anteils von jüdischen Hochschullehrern (d.h.: Privatdozenten, Extrordinarien und Professoren) in den drei klassischen, weltlichen Fakultäten – Medizin, Philosophie und Jura – zeichnet er indirekt auch eine Entwicklung des deutschen Antisemitismus nach.  Seine Studie liefert mit ihren Ergebnissen interessante Anknüpfungspunkte für eine nähere Erforschung einzelner Universitätsstädte und des Antisemitismus ihres Hochschullehrerkollegs. Dabei dienen ihm auch die Relation zum jüdischen Bevölkerungsanteil sowie die Relationen der Vertreter der christlichen Konfessionen eine Bezugsgröße.…

Bück Dich, hier kommt die Kunst

Bück Dich, hier kommt die Kunst

Henry Rollins: Eye Scream Henry Rollins dürfte den meisten als Crossover-Musiker bekannt sein. Dabei sind seine literarischen Werke nicht weniger beachtenswert, als seine musikalischen. Eye Screem ist ein Buch, welches aus eine Reihe kurzer Sequenzen besteht und ohne Frage von einer ganz unglaublichen Intensität ist. Ich empfinde bei Rollins eine große Nähe zur Beat-Generation. Seine klare, direkte und manchmal brutale Sprache schaffen eine Einheit mit dem Beschriebenen. Nie wirkt die Sprache künstlich, unpassend oder aufgesetzt. Eye Screem liest sich schnell, trotz seiner gewichtigen Inhalte. Es liest sich schnell, weil es einem nichts vormacht. Es ist, bei aller Strapaziertheit des Wortes, authentisch. Ein solches Erlebnis von anderer Sprache jenseits der bildungstümelnden, hatte ich zuletzt, als ich mit sechzehn oder siebzehn das erste Mal ein Buch von Bukowski in den Händen hielt: Kraftvoll, boshaft, liebend, zerstörend und zerstört - alles zu gleich.…

Sexunddreißig Klassiker

Sexunddreißig Klassiker

Klassiker der Sexualwissenschaft Der Kulturwissenschaftler und freie Publizist Pascal Pfitzenmaier hat für das Projekt Gutenberg unter wissenschaftlicher Beratung von PD Dr. med. Peer Briken eine Zusammenstellung von 36 Klassikern der Sexualwissenschaft erstellt und minimal editiert. Eine sehr löbliche Angelegenheit, da viele Titel in den gängigen Bibliotheken häufig mit dem Vermerk „Kriegsverlust möglich“ im jeweiligen Katalog auftauchen.  Ausgehend von der 1886 erstmals publizierten „Psychopathia Sexualis“ über Alfred Adlers „Das Problem der Homosexualität“ bis hin zu van Veldes „Triologie über das eheliche Glück“ reicht die Sammlung, die er in vier Bereiche: Anfänge der Sexualwissenschaft, Entfaltung der Sexualwissenschaft, Sexualität und Fremde sowie Ehe- und Sexualratgeber – einteilt. Neben den Faksimiles der Texte finden sich kurze Inhaltsangaben und eine sehr oberflächliche Einleitung in die Thematik auf der DVD. So wichtig und löblich das Projekt ist, so schnell stößt es aber auch an seine Grenzen. Das auf den ersten Blick so umfangreich erscheinende Archiv zeigt für den Kenner bereits nach kurzem Betrachten erhebliche Lücken – z.B. fehlt Iwan Blochs Studie über das Sexualleben der Engländer u.a. relevante Texte.…

Der Beginn einer Epoche

Der Beginn einer Epoche

Die Situationistische Internationale Der libertäre Hamburger Verlag hat bereits in den Anfangsjahren seines Bestehens sich durch die Herausgabe der Texte der Situationisten Internationale bemüht und nun in einer Sonderausgabe anläßlich des 40. Jahrestages des Pariser Mais von 1968 eine Auswahl der Texte noch einmal aufgelegt, die zwischen 1958 und 1969 publiziert worden, und die Übersetzungen leicht überarbeitet haben. Es handelt sich um Texte aus den zwei Episoden des Bestehens jener Gruppe, die wie die englische Tageszeitung Times schrieb, „die erste revolutionäre Bewegung des Massenmedien-Zeitalters war“, - sowohl aus der ersten Episode, in der sich die Situationisten vorrangig als eine kultur- und künstlerisch-revolutionäre Bewegung (z.B. mit ihrer Kritik des Urbanismus) verstanden hat, und der politisierten Phase, in der die Gruppe sich u.a. über den 6 Tage-Krieg und den Algerienkrieg äußerte.…

Erzähl allen, allen von mir

Erzähl allen, allen von mir

Das schöne kurze Leben der Libertas Schulze-Boysen Silke Kettelhake hat, legt man literarische Kriterien an, ein gutes Buch geschrieben. Die gelernte Journalistin hat sich mit diesem Buch über Libertas Schulze-Boysen an ein Thema gewagt, welches über die Person im Fokus des Werkes hinausragt und sie hat es hinsichtlich des schriftstellerischen Wertes ordentlich gemacht. Und dennoch: Das Buch verharrt in einer, ganz unerklärlichen, unpolitischen Position. Es scheint der postmoderne Versuch zu sein, sich politischen Entscheidungen, die ja immerhin auch die Entscheidungen über den eigenen Tod waren, zu nähern ohne die Determinanten über das bloße individuelle Empfinden hinaus auch zu benennen. Streckenweise erinnerte mich das Buch an die Gespräche, die an den Kaffeetafeln meiner Großeltern und meiner Mutter über die "schwere Zeit" geführt wurden. Anekdoten und Kolportagen - ohne Zustandsberichte. Das ist schade, denn die Akkribie, die Silke Kettelhake auf dieses Buch verwendet hat (es gibt viele Briefe, Fotos und Lebensdaten), hätte es vermocht, auch den Zustand Deutschlands unter der faschistischen Regierung so zu beleuchten, dass seine Schilderung eben nicht individualisierend wirkt. Und mit ihrem Gefühl für die Sprache, wäre es allemal gelungen, ohne kalt und pädagogisch zu werden.…

Die großen Streiks

Die großen Streiks

Episoden aus dem Klassenkampf Die Kampfform des Streiks hat auch in Deutschland in den vergangenen Jahren wieder eine Renaissance erlebt. Sowohl DGB-Gewerkschaften als auch kleinere Gewerkschaften wie Cockpit haben mehr oder weniger erfolgreich ihre Lohnforderungen mit dieser Form der Auseinandersetzung unterstrichen. Auch der Buchmarkt hat diese Renaissance des Themas gewürdigt – beginnend mit Michael Kittners Studie „Arbeitskampf. Geschichte – Recht – Gegenwart“ über Streiks in Deutschland bis hin zu der Arbeit von Peter Birke über „Wilde Streiks im Wirtschaftswunder: Arbeitskämpfe, Gewerkschaften und soziale Bewegungen in der Bundesrepublik und Dänemark“. Dennoch deckt gerade der von Holger Marcks und Matthias Seiffert herausgegebene Sammelband noch eine Lücke ab. Es geht, wie sie es im Vorwort formulieren, um eine Schilderung von großen Streiks als historische Ereignisse. Sie haben sich dabei auf elf, exemplarische Streiks im 20. Jahrhundert fokussiert. Diese werden in lebendiger Form als Streik an sich dargestellt und mit einem historischen Abriß der Geschichte der Arbeitskämpfe im jeweiligen Land und der Biographie eines wesentlich am Streik beteiligten Gewerkschaftlers (Frauen kommen diesbezüglich leider zu kurz!) kontextualisiert.…

Erinnerungen

Erinnerungen

Neuere Publikationen zum Spanischen Bürgerkrieg & der sozialen Revolution Walther L. Bernecker / Sören Brinkmann: Kampf der Erinnerungen. Der Spanische Bürgerkrieg in Politik und Gesellschaft 1936-2006, Verlag Graswurzelrevolution Neckersheim 2006, Preis: 20,50 EUR,  378 S., ISBN: 978-3-939045-02-0. Sören Brinkmann: Katalonien und der Spanische Bürgerkrieg, edition tranvía, Berlin 2007, Preis: 17,80, 160 S., ISBN: 978-3-938944-12-7. Arthur Lehning: Spanisches Tagebuch & Anmerkungen zur Revolution in Spanien, edition tranvía, Berlin 2007, Preis: 18,00 Euro, 196 S., ISBN: 978-3-938944-04-2. Heiko Schmidt (Hrsg.): Die Freiheit fällt nicht vom Himmel. Fundstücke aus dem Spanischen Bürgerkrieg, Preis: 15 Euro, 192 S., ISBN: 978-3-00-024106-2. Unter dem Titel „Kampf der Erinnerungen“ nähern sich Walther L. Bernecker und Sören Brinkmann dem Spanischen Bürgerkrieg und der mit ihm verbundenen Erinnerungspolitik. Walther L. Bernecker gilt nicht umsonst als eine Koryphäe auf dem Gebiet der deutschsprachigen Forschung zum spanischen Bürgerkrieg. In seinem Teil in „Kampf der Erinnerung“ thematisiert er die unterschiedlichen Facetten des Bürgerkrieges und der Revolution in kenntnisreicher und pointierter Weise.…