Das Problem mit dem Angriff Israels und der USA auf den Iran ist – jenseits der erneut gebrochenen Fragen des internationalen Rechts –, dass er der iranischen Bevölkerung nichts nützt.
Denn diese Bevölkerung steht einer Macht gegenüber, die nicht nur bewaffnet, sondern ideologisch bis in die Tiefe gefestigt ist: den Revolutionsgarden. Bis zu 200.000 hochgerüstete, vollständig indoktrinierte Kräfte sichern das Regime. Die Menschen im Land hingegen verfügen weder über Waffen noch über die Unterstützung der regulären Armee.

Wer unter solchen Bedingungen von einem Regimewechsel spricht, verwechselt Wunschdenken mit Realität. Ein Machtwechsel lässt sich nicht herbeibomben. Er kann nur entstehen, wenn im Inneren eine reale Gegenmacht existiert – militärisch, organisatorisch und politisch. Davon ist der Iran weit entfernt.

Das Gerede vom bevorstehenden Aufstand ist deshalb Augenwischerei. Solange die iranische Armee nicht gegen die Revolutionsgarden vorgeht und sie besiegt, bleibt ein Umbruch illusorisch. Ob sie dazu überhaupt in der Lage wäre, ist mehr als fraglich. Die Revolutionsgarden verfügen über enorme wirtschaftliche Ressourcen, bessere Ausrüstung, hohe Disziplin und eine ideologische Geschlossenheit, die der regulären Armee fehlt.

Hinzu kommt: Ein realistischer Regimewechsel bräuchte weit mehr als spontane Proteste. Notwendig wäre eine international anerkannte Exilregierung – getragen von Persönlichkeiten, die auch im Inneren des Landes von breiten Teilen der Bevölkerung akzeptiert werden. Ebenso entscheidend wäre, dass sich die Führung der regulären Armee dieser Exilregierung unterstellt und damit eine geordnete Machtübernahme ermöglicht. Erst dann könnten – auf ausdrückliche Einladung dieser legitimen politischen Vertretung – ausländische Truppen eingreifen, um einen Übergang abzusichern. Ohne diese Voraussetzungen bleibt jede Rede vom Regimewechsel politisches Theater.

Wenn Donald Trump in Washington das iranische Volk auffordert, jetzt aufzustehen und die Macht zu übernehmen, ist das deshalb nicht mehr als ein Scheinargument. Ein unbewaffnetes Volk kann keine bewaffnete Elite stürzen.
Und was wäre die Alternative? Ein unkoordinierter, individualistisch geführter Bürgerkrieg – mit Abertausenden Toten und hoher Wahrscheinlichkeit genau jenes Ergebnisses, das man angeblich verhindern will: dem Sieg der Revolutionsgarden und der Stabilisierung des bestehenden Systems.

Nein, dieser Krieg kann nicht ernsthaft das Ziel haben, das Regime zu stürzen. Sollte es dennoch dazu kommen, wäre es eine überraschende und glückliche Wendung der Geschichte. Realistisch ist sie nicht.