Das Kind des Rabbis auf dem Dachgarten

Das Kind des Rabbis auf dem Dachgarten

Zehn Meter vor mir
dort wo auf dem Dachgarten
die alte Mauer des Judenhofs
sich in den Efeu stiehlt
— ich sehs vom Bett
durch die geöffnete Tür —
brennt das Kind des Rabbis
still schreiend lautlos
vergehen Arme Rumpf und Beine
im schemenhaften Brand
den hier ein Ritter legte
ein halb‘ Jahrtausend her
ist’s immer grad
beim Glockenschlag gewesen
denn die Pogrome halten sich
durch die Zeiten an den Flammen
die Allenacht in Allerorts zum Tageswechsel
stets in unserm Aug‘ sich zeigen.

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