„Verglichen mit dem Schwein, zum Beispiel, ist der Hase ein relativ beliebtes Tier“ (Seite 91).
Katrin Seddigs Essayband „Gedanken zu Turnhallen“ ist ein literarisches Gewächs, wie einer der schönen Bäume an der Außenalster, die ihre Äste so anmutig ins Wasser hängen lassen, ein Buch, das mit Witz, belebter Tiefsee und einer besonderen Mischung aus Klarheit und Zartheit überzeugt. In 25 kurzen, prägnanten Texten verwandelt die Hamburger Autorin Alltägliches in Außergewöhnliches: Turnhallen, Hasen, Wind oder die Eigenheiten moderner Elternschaft werden unter ihrem Keyboard zu Anlässen für kluges Nachdenken und Herzhüpfer. Seddigs Stil ist unverkennbar grandios – und dabei doch nüchtern und präzise. Man hat immer das Gefühl, man sitzt bei Wind und Nieselregen unter dem Vordach eines Cafés, isst ein Stück Hamburger Apfelkuchen und die Frau am Nebentisch, die so handfest hanseatisch aussieht, wird schon dafür sorgen, dass es unterm Vordach trocken bleibt, egal wie der Wind sich dreht. Ihre Essays, ursprünglich auf der Bühne präsentiert, sind nun in diesem Band versammelt und beweisen, dass Literatur auch im Kleinen Großes leisten kann.
Jeder Text ist ein kleines Kunstwerk für sich. Seddig gelingt es, Themen wie das Flicken von Kleidung oder das Tragen von Perücken mit einer solch lebendigen Sprache zu füllen, dass man sich fragt, warum man selbst nie darüber nachgedacht hat. Ihre Beobachtungen sind scharf, ihre Schlüsse überraschend, und ihre Art, die Welt zu betrachten, ist so ansteckend, dass man am Ende das Gefühl hat, selbst ein Stück weit klüger zu sein als zuvor.
Katrin Seddig ist als Kind offenbar in einen Gedichtband von Mascha Kaleko gefallen. Seitdem ist sie, Katrin Seddig, literarisch unbesiegbar – und man muss sie liebhaben, auch wenn man sie gar nicht kennt. Sie schreibt so schön essayistisch, wie Kaleko gedichtet hat. Schön, nicht hübsch. Hübsch ist anders, Hübsch wollen wir auf gar keinen Fall. Hübsch ist hässlich, manchmal hübsch hässlich, aber immer hässlich. Nein, das hier ist alles schön, so schön, dass man gar nicht weiß, wie man sagen soll, dass es schön ist, ohne zu untertreiben. Ihr seid traurig und wollt glücklich sein? Kauf dieses Buch!
Der Literatur Quickie Verlag: Ein Pionier für neue Literatur
Der Literatur Quickie Verlag aus Hamburg ist seit 2009 eine feste Größe in der deutschen Verlagslandschaft. Als einziger Verlag in Deutschland, der sich ausschließlich der Kurzgeschichte widmet, hat er mit seinen „Booklits“ – handlichen Büchern im Format 12 × 12 cm – ein neues Format für Literatur geschaffen. Die Idee stammt von Lou A. Probsthayn und Gunter Gerlach. Probsthayn hat sich mit seinem Engagement für den Verlag und die Hamburger Literaturszene große Verdienste erworben. Unter seiner Leitung ist der Verlag zu einer wichtigen Plattform für neue Stimmen und innovative Literatur geworden. Der Literatur Quickie Verlag fördert nicht nur etablierte Autor:innen, sondern gibt auch literarischen Newcomern eine Bühne und bereichert so die deutsche Literaturlandschaft nachhaltig.
Lesungen in Hamburg-Eppendorf: Literatur zum Anfassen
Ein besonderes Highlight sind die regelmäßigen Lesungen des Literatur Quickie Verlags in Hamburg-Eppendorf. Ab Januar 2026 finden diese im Studio Nikisch (Tarpenbekstraße 65x, 20251 Hamburg) statt. Hier präsentieren Autor:innen ihre Texte in einer lebendigen Atmosphäre – eine hervorragende Gelegenheit, Literatur hautnah zu erleben und mit den Schreibenden ins Gespräch zu kommen.
Literatur Quickie, ISBN: 978-3-949512-14-8, Preis: 22 Euro