Hedonistisches Sicherheitsbedürfnis

Hedonistisches Sicherheitsbedürfnis

badiouAlain Badiou: Lob der Liebe

Der französische Philosoph Alain Badiou, der wie viele seiner Kollegen ursprünglich aus dem maoistischen Lager stammt, ist ein „Star“ in seinem Heimatland Frankreich. Er ist Direktor an der philosophischen Fakultät der ENS und lehrt am Collège international de la philosophie. Sein Werk „Lob der Liebe“ (OT: „Éloge de l’Amour“), das 2009 bei Edition Flamarion erschien, ist in Frankreich längst ein Bestseller. In Deutschland ist er hingegen bislang außerhalb der Fachkreise kaum rezepiert worden.

„Lob der Liebe“ – nicht zuverwechseln mit godards gleichnamigen Film – ist ein aufgezeichnetes Gespräch, was der Journalist Nicolas Truong im Rahmen des „Theaters der Ideen“ 2008 mit dem Philosophen führte. Der Ausgangspunkt dabei ist die von Badiou in „Wofür steht der Name Sarkozy?“ (OT.: „De quoi Sarkozy est-il de nom?“) aufgeworfene Forderung, der „Neuerfindung der Liebe“ bzw. der „Verteidigung der Liebe“, der seiner Auffassung nach gerade für revolutionäre Politik eine wichtige Rolle spielt. Badiou sieht sich dabei, wie er es selbst in der Einleitung schreibt, als „verliebter Philosoph“.

Ausgehend von der Gefahrenanalyse, dass „die Liebe“ sowohl durch ein enormes Sicherheitsbedürfnis (beispielhaft hierfür steht der Erfolg der Onlinedating-Agenturen) als auch durch eine hedonistische Haltung in unserer Zeit bedroht ist, sieht es Badiou als Aufgabe der Philophie, die Liebe zu verteidigen. Im Rahmen des Gesprächs mit Truong, das zeitweilig droht in ein abschweifendes, für den deutschsprachigen Leser nicht immer nachvollziehbares Namedropping zu verfallen, wenn er über Lacans Trennung von Liebe und Sexualität referiert oder auf andere Positionen zum Thema Liebe eingeht, nennt er drei Hauptauffassungen der Philosophie bezüglich der Liebe – die romantische, die „vertragstheoretische“ und eine skeptische. Seine eigene Position, die er von diesen drei abgrenzt, geht von der Idee einer Wahrheitskonstruktion zu zweit aus. Er führt hierfür wiederholt literarische Beispiele an, um seine Thesen zu stützen. Dabei folgt er generell dem Rimbaud’schen Postulat, dass die Liebe neu erfunden werden muß, und geht von Platons Erkenntnis aus, dass der Liebe der Kern des Universellen angelegt ist. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch das Theater, das sein Denken inspiriert und die Auffassung von Philosophie beeinflußt. Sein Denkansatz lädt insgesamt zum Reflektieren über die „Liebe“ ein – und spricht den Lesenden auch durch eine klare und verständliche Sprache an.Vor diesem Hintergrund ein sehr empfehlenswertes Buch.

 Alain Badiou: Lob der Liebe. Ein Gespräch mit Nicolas Truong, Passagen Verlag Wien 2011, ISBN: 078-3-85165-966-5, 87 S., Preis: 10 Euro.

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