Pogo, Punk und Politik

Pogo, Punk und Politik

 

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God shave the Queen

Der freie Journalist Gerrit Hoekman liefert mit „Punk, Pogo & Politik“ eine knappe, aber sehr gute Darstellung der Entwicklung und der Bedeutung der Politik für die Punksubkultur. Es ist nicht viel Neues oder Revolutionäres bei seiner Darstellung, aber dafür eine sehr fundierte Gesamtdarstellung des Themenkomplexes. Man merkt, dass sich Hoeckman in der Szene auskennt, auch wenn er z.T. Texte von der Bundeszentrale für politische Bildung heranzieht, um seine Thesen zu stützen. Dabei geht er über die Darstellung des „Mainstreampunks“ hinaus und thematisiert sowohl die Punkszene in der DDR, im Baskenland und im im Nahen Osten als auch die Strömungen wie die Queercoreszene. An manchen Stellen würde man sich auch mal eine weitere Vertiefung der Darstellung wünschen. Für ein Einsteiger und Interessierte an der Thematik ist damit das Buch sehr gut geeignet. Für alte Hasen bietet es vielleicht ein paar kleine Kritikpunkte oder Diskussionsstoff

. Persönlich sind mir zwei Aspekte diskussionswürdig– so grenzt einerseits der Autor Streetpunk von Oi!-Punk ab und stellt dem Mainstream folgend die Sex Pistols als vorwiegend unpolitische Punkband dar. Bezüglich des ersten Punktes sehe ich keine Differenz – und würde darüber hinaus auch ergänzen, dass in Frankreich und Spanien der Begriff nicht wie in der englischen und deutschen Szene in der Öffentlichkeit mit einer solchen negativen Assoziation des Rechtsradikalismus verbunden ist. So hat sich die anarchistische, spanische Streetpunkband Oi-The Arrase! (ehemalige Mitglieder spielen jetzt bei der Berliner Punkband Frontkick) ohne Schwierigkeit als Oi-Band bezeichnen. Bezüglich des zweiten Aspektes verweise ich nur darauf, dass die Debütsingle der Sex Pistols „Anarchy in the UK“ explizit Che Guevara und Buenaventura Durruti gewidmet war. Die erste Widmung mag aus dem Diskurs der damaligen Zeit nicht ungewöhnlich wirken, die zweite jedoch schon, weil Durruti nicht außerhalb der ader anarchistischen Insiderkreise so bekannt sein dürfte.

Diese beiden Aspekte sind sicherlich szeneinterne Diskussionen, die an dem positiven Gesamteindruck der Broschüre nichts ändern. Hier liegt eine kompakte und kenntnisreiche Studie über das Verhältnis von Punkrock und Politik vor, die sowohl die Ebenen der Herrschaftskritik als auch dervon Genderfragen und Rassismus aufgreift.

Gerrit Hoekman: Pogo Punk & Politik, Unrast Verlag Münster 2011, ISBN: 978-3-89771-111-2, 78 Seiten, Preis: 7,80 Euro.

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