Wenn die Tante SPD …

Wenn die Tante SPD …

150px-SPD-Cube.svgVorwärts … Rückwärts

Der Briefkasten des Verlages klappert, ich denk‘ es ist die Post. Ist aber nicht die Post – es ist, d.h. es war die SPD. Bis ich von meinem Arbeitszimmer unten bin, ist der Verteilmensch weg. Aber er hat ein Extrablatt des Vorwärts dagelassen.

Die SPD feiert. Sie hat ihr Willy-Brandt-Haus umgebaut und will am nächsten Wochenende das Ergebnis der Anwohnerschaft, der Presse und natürlich den Parteimitgliedern vorführen. Vielleicht verleitet sogar mich der Film „Almanya“ dazu, an der Chose teilzunehmen. Immerhin könnte ich nach der Filmvorführung im Innenhof des mir gänzlichen unbekannten, aber offensichtlich auch der SPD gehörende, Paul-Singer-Hauses noch ein paar Biere nehmen. Die SPD verleitet zum Saufen. Immerhin regiert sie in Berlin.

Im Singer-Haus befindet sich auch der Rotation-Verlag, der eine Marke der Vorwärts-GbmH ist, wie seine Website mitteilt. Die SPD oder die Vorwärts-GmbH, vermutlich beide, sind sich ja für nichts zu schade. Und so stellt sich schon auf der Startseite des vermeintlichen Verlages heraus: Es handelt sich um einen Zuschussverlag. Also um eines jener unliebsamen Gebilde, die eigentlich Druckereien mit Zusatznutzen sind, aber eben keine Verlage (siehe auch unten den Link zu FAIRlag). So ist sie, die schöne Welt der Sozialdemokraten: Immer für keine Überraschung gut.

Das Extrablatt des Vorwärts gibt sich humoristisch. Zum Beispiel mit einem Interview, dass die Generalsekretärin Andrea Nahles gibt. Auf die Frage, was sie eigentlich so tun, im Willy-Haus, antwortet sie mit der ihr eigenen Eloquenz: „Wir entwickeln politische Konzepte. Wir suchen Bündnispartner und werben für Mehrheiten“. Wer hätte das gedacht. Auch, dass die SPD eine Arbeiterpartei sei, ist Frau Nahles nicht fremd. Die SPD sei, so sagt sie, die Partei, welche des Wert der Arbeit hoch schätzt und deshalb für den Mindestlohn eintritt. Jedenfalls, möchte man angesichts der Erfahrungen zwischen Schein und Wirklichkeit anfügen, solange die SPD nicht regiert.

Ansonsten ist das Extrablatt hübsch langweilig gemacht, sozialdemokratisch eben. Und den Teilkiez Kreuzbergs, in dem sich das Willy-Haus befindet, will die SPD gerne Willy-Kiez nennen. Mehringkiez wäre auch zu subversiv. Denn der Mehringdamm ist nach Franz Mehring benannt, der Mitbegründer des Spartakusbundes war und damit sozusagen der KPD (siehe Wikipedia-Link). Den Kietz nach so einem zu nennen, kann die SPD, aus der Mehring wegen ihrer befürwortenden Politik des kaiserlichen Kriegseintritts in den Ersten Weltkrieg austritt nicht wollen. Schon wegen ihrer positiven Haltung zum Angriffskrieg gegen Jugoslawien. Ob allerdings Willi-Brandt, der zwar die Berufsverbote für Kommunisten in der BRD maßgeblich einführte, jedoch nicht gerade für Kriegsenthusiasmus bekannt war, der richtige ist, wage ich zu bezweifeln. Schön wäre es doch – auch angesichts des Vorgehens der Berliner Polizei gegen linke Demonstranten, den Kiez in Gustav-Noske-Kiez umzubenennen. Damit würde eine ordentlich sichtbare Brücke geschlagen von der Vergangen zur Gegenwart der SPD.

 

FAIRlag

Franz Mehring

Gustav Noske

Willy Brandt

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