Ein Morgen im April

Ein Morgen im April

Der Main fließt ruhig.
Die Vögel kreisen über alten Häusern.
Ein letztes Mal noch drohen die Gestapo-Männer
den Frauen, die voll Angst vorm Strick,
die Barrikaden räumen.

In Ochsenfurt, in Eibelstadt und Gerolzhofen.
Dort hat das Fräulein Josefine Schmitt,
die Lehrerin, eintausend Frauen auf dem Markt versammelt.
Das Standgericht der Nazimörder
verurteilt sie und andere zum Tode doch
es findet nicht die Delinquenten,
und flieht als dann der gute Feind, der Freund,
der Stadt zur Hilfe eilt und seine Panzer
durch die Tore rollen.

In Ochsenfurt hat die Gestapo die Frauen
am Tag vorher schon hart verhört,
doch keine hat geredet, nicht verraten
wer hinter dem Gewisper steckt.
Und als die Frauen dann entwaffnen
die Wehrmachtssoldaten an den Toren
und alle Barrikaden schleifen, da
fliehen die SS und die Gestapo.

Der Main fließt ruhig.
Die Vögel kreisen über alten Häusern.
Die selben Häuser, heut‘ wie damals.
Und siehst du dort am Tor die Frauen,
hell wie Nebel, die Frauen dort, hörst Du sie lachen,
und sich erheben, die Schemen, zu Recht,
in ihren wohlverdienten Himmel,
sowie die Vögel über alten Häusern?

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