Facebook und die Bedrohung der Kunstfreiheit

Facebook und die Bedrohung der Kunstfreiheit

Heute erreichte mich eine Pressemeldung aus der Schweiz. Facebook hat die Photobastei für drei Wochen ausgesperrt. Ein gewaltiger Schlag für das Projekt. Sie können den Ablauf aus dem Anhang ersehen.

Was Facebook tut, ist nicht wohlgetan. Mit seiner ganzen Macht macht sich das internationale Portal zum Zensor des us-amerikanischen Biblebelts und dessen bigotten Politik. Kunst kann nicht gezeigt werden, wenn Nacktheit darstellt, weil einige verspießerte Moraltaliban nicht wollen, dass die schon erreichten Freiheitsrechte Bestand haben. Natürlich trifft das nicht nur aus Biblebelt zu, sondern auch auf Gruppen und Regierungen aus anderen Ländern. Aus China und aus Spanien, aus Deutschland und aus Uganda. Aber so geht es natürlich nicht. Selbstverständlich muss man sich wehren. Und selbstverständlich ist der Gang vor die Gerichte sinnvoll. Jedes Urteil, es gibt derer schon einige, das gegen Facebook in der Frage der Kunstfreiheit ergeht ist ein gutes Urteil.

Während sich die Verantwortlichen des Konzern immer noch nicht um Hasskommentar, Holocaustleugnung und Rassismus in einer angemessenen Weise kümmern, sind sie schnell und mit spürbaren Sanktionen bereit den Forderungen moralinsauerer Reaktionäre nachzukommen. Das hängt zusammen. Denn es sind in vielen Fällen ja genau diejenigen, die für die gesellschaftliche Rechtsentwicklung stehen, welche auch die sexuellen Freiheiten und die Freiheit der Kunst angreifen.

Ich halte es für dringend notwendig die Öffnung von transnationalen Plattformen zu erzwingen und deshalb Regularien zu erlassen, die solche Sperren verbieten. Man kann sich im immer noch liberalen Europa nicht ständig von rückwärtsgewandten Aposteln einer falschen Moral auf der Nase herumtrumpeln lassen.

 

Photobastei wegen 10vor10-Bericht von Facebook 30 Tage gesperrt!

Facebook sperrt die Photobastei aufgrund ihrer Richtlinien für 30 Tage. Die Photobastei hat einen Bericht von 10vor10 zur aktuellen Punk-Ausstellung auf Facebook aufgeladen. Dieser geht dabei auch auf Fotografien von Sven Marquardt ein, dessen Bilder an der Wand des Museums auch Brustwarzen halbnackter Modelle aus den 90er-Jahren zeigen.

Weil die Photobastei schon einmal mit einer nackten Muse für die Ausstellung der Fotokünstlerin Karin Szekessy Werbung machte und einen Bericht des Züritipps auf die eigene Facebook-Seite postete, gilt die Photobastei als Wiederholungstäterin bei der Verbreitung verbotender Nacktheit im Sinne der Richtlinien von Facebook. Deshalb wird sie nun wegen eines Berichtes von 10vor10 für 30 Tage gesperrt.

10vo10 berichtete am Montag, 14. Januar über die neue Punk-Ausstellung in der Photobastei und interviewte dazu den bekannten Berliner Künstler Sven Marquardt. Die Kamera schwenkt über die Bilder Marquardts an der Wand des Musuems. Seine Bilder zeigen halbnackte Menschen in einer Post-Punk-Ästhetik und auch nackte Busen und Brustwarzen – alles Elemente, die gegen die Richtlinien von Facebook verstossen. Weil Facebook nicht zwischen Nacktheit und Kunst unterscheidet und weil die Photobastei diesen Inhalt, also einen Bericht des Schweizer Fernsehens, gepostet hat, wird sie nun gesperrt.

Für die Photbastei, die von der Stadt Zürich nicht subventioniert wird, ist der Social-Media-Kanal der wichtigste Kanal zur Verbreitung ihrer Inhalte. Die Sperrung bedeutet für den freien Kunstort einen massiven Einschnitt und die Gefährdung der Tätigkeiten.

Die Bitten um Wiedererwägung und Nachsicht wurden von Facebook bislang abgelehnt.
Die Photobastei fühlt sich machtlos und ohnmächtig.

Romano Zerbini, Direktor und Kurator der Photobastei: „Es ist ein Problem, dass Facebook nicht zwischen Kunst und Nacktheit unterscheiden will! Ein Botticelli kann heute nicht mehr auf Facebook gepostet werden! Doch Facebook hat die Macht, die Brustwarze über die Kunst zu erheben und wir sind machtlos. Facebook und China haben mehr gemeinsam, als uns lieb ist.“