Im Dirndl zu den Barbaren.

Im Dirndl zu den Barbaren.
Den nachfolgenden Beitrag veröffentlichte Imoan Kinshasa auf Facebook. Die Plattform löschte ihn wegen eines angeblichen Verstoßes gegen die „Community-Richtlinien“. Wir dokumentieren den Artikel hier, damit er erhalten und öffentlich bleibt. Andere werden ebenfalls so verfahren. Während rassistische, faschistische und antisemitische Beiträge auf Facebook oft nicht gelöscht werden, sind immer wieder Beiträge betroffen, die sich gegen die zunehmende rassistische Politik und diese Veränderungen in der Gesellschaft richten. Das darf nicht ohne Widerstand hingenommen werden.

 


Mein Lachen täuscht. 
von Imoan Kinshasa
Wir haben spontan beschlossen mit unseren Nachbarn auf das Weinfest in Traiskirchen zu fahren. Voll motiviert haben wir Mädels uns in die Tracht geworfen. Ich habe mich wunderschön und stark gefühlt, als ich heimkam war ich den Tränen nahe. Als gebürtige Bayerin trage ich immer schon Dirndl. Besonders stolz war ich, weil meine Oma einige Kleider selbst genäht hat (Luxus!!!). Im Trachtenverein war ich der Star, eh klar, „ma wia liab“ und 927272 Fotos mit Touristen waren Standard.
Standesgemäß sind wir mit der Badener Bahn angereist. Als wir in Traiskirchen aussteigen kommen wir keine 10 Meter ohne den ersten rassistischen Vorfall.
„Jetzt hab ich alles gesehen, ein Neger im Dirndl, das kann ich jetzt abhaken“. Eine Gruppe von 16-17 jährigem Jungs. Als ich sie angefahren bin ob sie ein Foto zwecks Glaubwürdigkeit wollen, stammeln sie Entschuldigung und rennen peinlich berührt an uns vorbei.
Beim Fest angekommen. Alle Augen sind auf uns gerichtet. Nein auf MICH! Ich höre die Leute reden. „Eine schwarze im Dirndl!“. Augenpaare blicken mich verwirrt, böse oder belustigt an. An den Nachbartischen wird geredet und gestarrt. Wir holen Essen, nein auch da keine 2 Minuten Ruhe.
Ich kann keinen Schritt machen ohne das Gerede und Gelächter zu hören. Ich fühle mich wie eine Aussätzige. Beobachtet und exponiert. Ja ich weiß, einige haben sich sicherlich gedacht wie hübsch ich heute aussehe. Ich habe mich gefühlt wie ein Alien, als wäre ich hier verboten.
Ich resigniere und schaffe es bis zum Heimgehen nicht auszurasten. In mir kocht es, ich will mit meinen Freunden einfach nur einen feinen Abend haben. Eine Dame auf der Toilette, erfahre ich später, freute sich über den Anblick meiner blonden Freundin in Lederhosen, aber als sie mich sah wurde ihr wohlwollender Omablick eiskalt.
Was habe ich getan? DAS ist meine Kultur. Ich kenne nur Bayern und Österreich. Lederhosen und Bier. Ich fühle ich mich meiner selbst beraubt. Für diese Leute ist ein „Neger in Tracht“ eine Karikatur, für den ein oder anderen gar eine Beleidigung. Am liebsten möchte ich gar nichts mehr damit zu tun haben, ich schäme mich für Seehofer und Söder, wo ist eure gmiadlicheid zefix?
Ihr zwingt jeden Menschen mit klarem Verstand quasi dazu diese „Leitkultur“ abzulehnen. Ich für meinen Teil bin tief verletzt und werde in Zukunft gezielt auf Veranstaltungen gehen wo wir mit weniger Anfeindung zu rechnen haben.
Ich fühle mich ausgeschlossen und eingeschränkt. Strache und Co haben recht, es gibt No-Go Areas, für mich Mittlerweile definitiv. Am liebsten würde ich mir die Decke über den Kopf ziehen, mich verstecken und nicht mehr raus gehen.
Dieser antrainierte Hass zerfrisst mich innerlich…