Martin Buber – Neu gelesen

Martin Buber – Neu gelesen

Der Sammelband „Martin Buber – Neu gelesen“ bildet den Auftakt für eine neue Buchreihe der Martin Buber-Gesellschaft, die ergänzend neben der jährlich erscheinen Zeitschrift „Im Gespräch“ veröffentlicht werden soll. Hans-Joachim Werner, Vorsitzender der Martin Buber-Gesellschaft, erklärt im Geleitwort zum Band die Intention dessen mit den Worten: „Die Martin Buber-Studien sollen in den einzelnen Bänden jeweils bestimmte Themen aufgreifen, die Buber beschäftigt haben, sich aber insgesamt auf die gesamte Weite seines Denkens erstrecken; das bedeutet, dass eine Vielzahl von Fachdisziplinen und Themen im Spiel sind. Wer oder was war Buber denn: Philosoph, Pädagoge, Soziologe, Bibel- oder Religionswissenschaftler, Literat, Kulturhistoriker, Theologe, Judaist oder etwas ganz anderes?“ (7). In dieser inhaltlichen Vielschichtigkeit spiegelt sich auch die Persönlichkeit Bubers und seines Werkes wider, die sehr unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen und Kulturbereiche streift. Buber war diesbezüglich ein Vertreter des klassischen Intellektuellen, der über eine Form universeller Bildung verfügte und sich kompetent zu unterschiedlichen Themen zu äussern wusste.

Der Auftaktband „Martin Buber – Neu gelesen“ beinhaltet neben zwei einführenden Aufsätzen (Werner, ‚Ich habe keine Lehre, ich führe ein Gespräch’; Reichert, Warum Buber?), Beiträge zu den Bereichen „Praxis“, „Politik“ und „Philosophie und Religion“ sowie eine Analyse von Martin Bubers Doktorarbeit „Zur Geschichte des Individuationsproblems“ (Francesco Ferrari, Individuum und Individuation). Die drei Herausgeber des Bandes – Thomas Reichert, Meike Siegfried und Johannes Wassmer – nennen als die beiden wesentlichen Zugänge zum übergeordneten Thema – sowohl als Möglichkeit der Erkenntnis der Schriften Bubers für die eigene Lebenspraxis als auch in Bezug auf eine Weiterentwicklung seiner Ideen im generellen (vgl. 11).

Im Bereich der „Praxis“ finden sich Beiträge über Übergänge und Anknüpfungspunkte für psychotherapeutische sowie pädagogische Ansätze. Sie stammen u.a. von Dialogprozessbegleitern wie Jana Marek und Johannes Schopp sowie dem Gestalttherapeuten Frank-M. Staemmler. Unter dem Stichwort „Politik“ finden sich Beiträge über Konzept der Gastlichkeit, Anarchismus und Kommunitarismus, Buber nach der Shoa. Der umfangreichste Abschnitt ist unter dem Schlagwort „Philosophie“ subsummiert. Er beinhaltet Beiträge über die Philosophie Bubers (Verantwortung, Natur, Anerkennung, Menschenwürde) als auch in Bezug auf seine religionswissenschaftlichen Arbeiten und sein Verhältnis zur evangelischen Praktischen Theologie.

Die hier versammelten Beiträge weisen durchgängig ein hohes Niveau auf und beleuchten eine Vielzahl von Aspekten. Vielen Autoren gelingt es auch, eine Verbindung von Bubers philosophischen Ansätzen – vorrangig seinem Dialogprinzip – und der (beruflichen) Praxis herzustellen. Für die kommenden Ausgaben wäre allerdings ein Namens- und Sachwortregister wünschenswert.

Maurice Schuhmann

Thomas Reichert / Meike Siegfried und Johannes Wassmer (Hrsg.): Martin Buber neu gelesen, (= Martin Buber-Studien 1), Verlag AV Lich Hessen / 2013, 432 S., Preis: 19,90€, ISBN: 978-3868410754.

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