Meistersinger

Meistersinger
Auf dem Rückweg aus Bayreuth, Meistersinger, großartig, ja geradezu schön, prachtvoll, anrührend in dieser prachtvollen Grandiosität, auch in dem Bemühen, sich dem Antisemitismus Wagners zu stellen und also ihn, den Antisemitismus, zu stellen, auf dem Rückweg von dieser unerwartet angenehmen Veranstaltung, diesen angenehmen Gesprächen in den Pausen, der Nähe von Menschen, die Humanismus und Demokratie zu verteidigen bereit sind, wie sie sagen, von diesem Abend mit Wagnerschen Musik, die mir aber fern bleibt bis auf einige Stücke in den Stücken, auf diesem Rückweg also erinnere ich mich, nachts, Landstraße, Dunkelheit, Baumreihen, Felder, an eine Fahrt damals in Schleswig-Holstein — wir kamen aus Berlin oder Hamburg, daran erinnere ich mich nicht genau, aber von einem Auftritt jedenfalls, und wir waren noch ganz aufgeregt, weil der Tag erfolgreich war –, einen Hohlweg entlang fuhren wir kurz nach Bad Bramstedt, und plötzlich flog, für eine gute Weile, ein Uhu vor uns her. Ein Moment, wie aus einem Märchen in die Wirklichkeit gesetzt.
 
Die Scheinwerfer des Autos reißen
Fetzen aus dem schwarzen Tuch der Nacht,
und kaltweiß gleißen Markierungen
und Begrenzungsbalken. Schon tote Fracht
tragen die Krallen des Uhus der vor uns her
durch einen Hohlweg gleitet, schwer
der Schlag seiner Flügel, auf dem Scheitel
des Hügels gleitet er seitwärts ins Schwarz.
Foto: By Photograph: Softeis [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], from Wikimedia Commons