Lucky Luke

Seit 1946 reitet der Cowboy einsam – mit seinem Pferd Jolly Jumper – in den Sonnenuntergang, nachdem er ein Abenteuer im Wilden Westen erlebt hat. Als Cowboy, der seinen Revolver schneller als sein Schatten zieht, tritt er in klassischer Westernmanier für die Schwachen ein, jagt Banditen wie die Daltons oder Billy the Kid oder begleitet auch schon mal eine jüdische Familie durch die raue Prärie. Historische Hintergründe und politische Implikationen gehören längst zum Repertoire der Comics dazu – wenn auch weniger ausgeprägt als bei den gallischen Kollegen von Asterix & Co. Geschaffen hat ihn der Zeichner Morris und die Texte für den Comic verfasste zeitweilig René Goscinny. Sein einstiges Markenzeichen, ein Zigarettenstummel im Mund, wurde zwar schon vor langer Zeit in einen Grashalm umgeändert, aber er ist immer noch der gleiche.

Den Hintergründen und der Entwicklung des wohl langlebigsten Comicwesternhelden – neben dem etwas jüngeren Leutnant Blueberry von Jean Michel Charlier und Jean Groud – nimmt sich der deutsche Medienwissenschaftler Georg Seeßlen in seiner aktuellen Monographie an und durchleuchtet den lonely Cowboy intensiv. Themen sind dabei u.a. die Zeichner_innen, die Einflüsse und historischen Vorbilder sowie auch kritische Seiten (z.B. die Stereotype in Bezug auf die Darstellung von BPoC). Bei seiner Untersuchung kommt Seeßlen inhaltlich zu Gute, dass er sich sehr gut mit dem Genre des Westernfilms auskennt. Bereits 1995 hat er unter dem Titel „Western. Geschichte und Mythologie des Westernfilms“ eine Monographie hierzu publiziert. Bei seiner Untersuchung zum Lonely Cowboy Lucky Luke ist eine ähnliche wie schon im Falle von „Tim & Struppi“ sehr lesenswerte Comicmonographie herausgekommen. Für Comicfreunde/innen ein Muß!

Maurice Schuhmann

Georg Seeßlen: Lucky Luke. Fast alles über den (nicht gar so) einsamen Cowboy und seinen Wilden Westen, Bertz & Fischer, Berlin 2023, 272 S., ISBN: 978-3865057747; Preis: 18 €.

 

Foto: Vikiçizer, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons