Stein auf Stein

Stein auf Stein

Antifaschistischer Schutzwall

Seitdem der Genosse Niemand („Niemand hat vor, eine Mauer zu bauen“ – Walter Ulbricht) die Grenzabsperrungen zwischen der DDR und der BRD errichtet hat, trugen sie auf der einen Seite die Bezeichnung ‚Antifaschistischer Schutzwall‘ und wurden auf der anderen schlicht ‚die Mauer‘ genannt. Mit der antifaschistischen Attitüde, die man der Grenzbefestigung zustellte allerdings logen sich die Genossen ins Fäustchen.

Der Sinn der Grenzanlagen war es, die Abwanderung von dringend gebrauchten Arbeitskräften zu verhindern. Es mag andere Möglichkeiten gegeben haben – indes ist es zweifelhaft, ob zum Zeitpunkt des Baus, also kurz nach Stalins Tod und in einer Zeit der versuchten Destabilisierung der sozialistischen Staaten durch „den Westen“ auch die politische Phantasie ausreichte, schnell und effizient schnelle und effiziente Lösungen zu finden, die nicht technischer Natur waren.

Die „Bildungsmisere“ in der BRD ging einher mit dem Bau der Befestigungen. Nachdem gut ausgebildete Ärzte, Ingenieure, Facharbeiter usw. nicht mehr die Grenze zwischen den Staaten passieren konnten, sah man sich mit Universitäten und Fachhochschulen elitären Charakters in der Sackgasse. Die Bildungsoffensive der BRD war auch der Notwendigkeit geschuldet. Der Strom war versiegt, man musste Brunnen bohren.

Es wäre nun ein Leichtes hinzugehen und zuzugeben, dass der Sinn der Grenzbefestigungen die Sicherung der Versorgung der eigenen Bevölkerung war. Man könnte sich, an der historischen Wirklichkeit orientiert dafür entschuldigen, diesen Weg gewählt zu haben und zugleich mitteilen, man wäre in der Bredouille gewesen, hätte schnell handeln müssen und nachhaltig; allerdings wäre der Weg falsch gewesen. Aber stattdessen überwiegt ein geradezu nostalgisches Festhalten an einer agitatorischen Falschbezeichnung.

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