Zum Tode von Arpita Roychoudhury

Zum Tode von Arpita Roychoudhury
Ihr Tod, welchen Grund er immer gehabt haben mag, trifft mich auf eine eigentümliche Art: viel stärker, als es doch bei einer weitgehend Fremden üblich wäre. Wir haben uns nur auf einige wenige Sätze gekannt, die ich mit ihr beim letzten PEN-Kongress gewechselt habe. Und doch schmerzt mich ihr Tod über das Maß hinaus, nach dem der Tod einer entfernt gekannten Kollegin gemessen wird.
Vielleicht ist es meine enthusiatische Freude über ihren Mut, vielleicht die Hoffnung, dass junge Menschen wie sie überall auf dieser schlimmen Welt das Bessere schaffen können, dass sie die Lücke an Mut, Aufopferung und Vernunft wieder füllen, die das vermeintliche „Ende der Geschichte“ gerissen hat. Und dieser Enthusiasmus, diese Hoffnung haben nun gar nicht mehr das Gegenüber, aus dem sie doch entstanden waren. Der Tod ist ein großer Verräter. Eine Kraft des Bösen. Ich bin sehr traurig.
„Wie viele andere Menschen auch träumte ich von einem normalen Leben. Aber ich hatte nur die Wahl, entweder diesen Kampf weiterzukämpfen oder bis zu meinem Tod immer wieder unterdrückt und erniedrigt zu werden. Mein Leben, das ich mir so nicht gewünscht hatte, hat mich gezwungen, mutig zu sein.“
(Arpita Roychoudhury, 1995-2018)

Wir trauern um unsere Stipendiatin Arpita Roychoudhury, die seit Dezember 2017 in unserem Writers-in-Exile Programm in Berlin lebte und nun viel zu jung verstorben ist. Ihr Tod erschüttert uns zutiefst und macht uns sprachlos. Unser Mitgefühl gilt ihrer Familie in Bangladesch und ihren Freunden.

Regula Venske
Präsidentin

Franziska Sperr
Vizepräsidentin und Writers-in-Exile Beauftragte

PEN-Zentrum Deutschland e. V.

Foto: via PEN-Deutschland, Stefanie Silber