Politische ‚Klassiker‘ der Neuen Rechten

Als eine bekannte Süßigkeitensorte umbenannt wurde, gab es den viel zitierten Slogan „Aus Raider wird Twix – ansonsten ändert sich nix.“. Bei der neuen Rechten kennen wir das auch – was früher Rassismus hiess, ist heute Ethnopluralismus – aber geändert hat sich nichts.

Aber es gibt noch eine zweite Strategie in diesen Kreisen: scheinbar unbelastetes rechtsradikales Denken – nämlich das der sog. konservativen Revolution, ein Begriff, den Ernst Jüngers Sekretär Armin Mohler in den Diskurs einführte und der Legende nach von Thomas Mann übernahm -, wieder salonfähig zu machen. Das Spektrum dessen, was Armin Mohler unter dem Begriff subsummierte reichte von Nationalbolschewisten wie Ernst Niekisch, über bekannte Autoren wie Ernst Jünger und Thomas Mann sowie Vertreter der frühen Jugend(- und Homosexuellenbewegung) wie Ernst Blüher bis zum „Kronjuristen des dritten Reiches“ Carl Schmitt und dem Geschichtsphilosophen Oswald Spengler. Spätestens durch die Arbeiten des französischen Vordenkers der Neuen Rechten – Alain de Benoît, dessen geistige Erben sich z.B. in Form von Identitärer Bewegung, der als gesichert neurechte Wochenzeitung Jungen Freiheit bis hin zur AFD manifestieren, hat dieses antidemokratische Denken Einzug in der Neuen Rechten gehalten und dient immer wieder dazu, eine Brücke ins konservative und bürgerliche Lager zu schlagen.

Der Politikwissenschaftler Armin Pfahl-Traughber, der zuletzt beim Dietz Verlag den Band „Intellektuelle Rechtsextremisten“ (Dietz Verlag, 2022) veröffentlicht hat, hat mit seinem neuen Band eine Art Quellen- oder Ergänzungsband zu seiner vorherigen Studie über die Neue Rechte vorgelegt. Er fokussiert sich dabei auf sechs Vordenker – Arthur Moller van den Bruck, Oswald Spengler, Carl Schmitt, Edgar Julius Jung, Ernst Niekisch und Ernst Jünger -, die er stets im selben Analyseraster von jeweils zehn Unterkapiteln untersucht. Es folgen Kapitel über die Fernwirkungen dieser sowie den konkreten Einflüssen auf Akteure der Neuen Rechten (Junge Freiheit, Institut für Staatspolitik). Interessant ist das vorletzte der genannten Kapitel auch in Bezug auf einige Kuriositäten der Rezeption jener Denker in anderen Kontexten – z.B. durch Herfried Münkler. (Die Schmitt-Rezeption durch das linke, postmarxistische Autor_innenduo Ernesto Laclau – Chantalle Mouffe, die auf Schmitt-akquirierend einen linken Populismus stark machen, wird hierbei völlig ausgeklammert….)

Der Autor ist ein ausgewiesener Kenner der Materie und er versteht es, reflektiert und sehr gut komprimiert, die wichtigsten Ideen und Konzepte sowie deren Bedeutung darzustellen. Bezüglich der Auswahl könnte man sicherlich fachlich streiten, ob noch ein anderer Autor besser gepasst hätte oder relevanter als ein anderer gewesen wäre, aber das wären in Bezug auf den vorliegenden, gesellschaftlich äusserst wichtigen Band unnötige Haarspaltereien. Pfahl-Traughber selber begründet seine Auswahl mit der Zugehörigkeit der Ausgewählten zu zwei unterschiedlichen Ideologierichtungen innerhalb des Spektrums der sog. Konservativen Revolution und problematisiert jenen Begriff und insbesondere seine Unbestimmtheit als solches.

Als Zielgruppe würde ich Laien und Studierende sozialwissenschaftlicher Fächer ansehen. Diese können sicherlich viel dabei herausziehen und nach der Lektüre Konzepte der neuen Rechten besser erkennen und durchschauen. Wer sich bereits etwas intensiver mit der Thematik beschäftigt hat, wird nicht viel Neues erfahren. Es ist erster Linie eine Art Bestandsaufnahme, was es ja gerade so wertvoll macht. Ich kann nur eine Kauf- und Leseempfehlung aussprechen.