Gedicht von den Ruinen

Gedicht von den Ruinen

Jetzt stehen wir also in den Ruinen herum
und sollen so tun, als wären es Schlösser.
Uns fehlen hunderttausend
Krankenpfleger und Polizistinnen,
Feuerwehrfrauen und Altenpfleger.
Wir hätten ein stabiles Gesundheitssystem
sagen Minister.
Und rufen die Bundeswehr zur Hilfe.
Überall hängen die Kaiser ab
und zeigen ihre neuen Kleider her
als gäbe es gar keinen Paragraphen
gegen Exhibitionismus.
Wer lang hat, der lässt lang hängen.
Hier zieht jeder den Kürzeren.
Die einzigen Ergüsse sind Zukunftsversprechen.
Altachtundsechziger singen den Linken Marsch
und marschieren den Altbauflur rauf und runter.
Was soll man machen,
wenn es nicht genug Beatmungsgeräte gibt.
Drin bleiben. Wer ausgeht geht aus
vielleicht. In Straßburg
dämmern die Achtzigjährigen Siechen hinüber
voll mit Schlafmitteln.
Good-bye my friend …
Geht es gut in den bulgarischen Bergdörfern?
Ist das Wetter schön in den Pyrenäen?
Goodbye Papa please pray for me
I was the black sheep of the family
singt nicht der neoliberale Minister eines
europäischen Landes seinem sterbenden Vater
ins Ohr.
Das ist nicht der. Das ist der Chor
aus lauter armen Schweinen
die jetzt in Quarantäne Rotz und Wasser weinen.
Jetzt stehen wir also in den Ruinen herum
und sollen so tun, als wären es Schlösser.
Früher wurden die Krankenhäuser nach
Notwendigkeit bezahlt.
Erinnert sich wer? Damals? Vor Fünfundachtzig.
Dann ging das los. Wie eine Lawine.
Und jetzt werden die Alten begraben.
Die laufen nicht schnell genug.
Und die Kaiser stehen da,
loben den Schneider
und lassen hängen.
So ist das im Neoliberalismus.
Du stehst in der Ruine herum
und sollst so tun, als wär es ein Schloss.
Und im Schloss sitzen die Schneider.
Und verkaufen den Kaisern
die neuesten Klamotten.