Kettenbrief mit Weissagung

Kettenbrief mit Weissagung

Provenzialischer Stolz

Subgenres der Kriminalliteratur sind z.T. wie auch in anderen literarischen Gattungen Modetrends in Form des Publikumsgeschmack ausgesetzt. Der klassische Krimi als „roman noir“ ist out und der zeitweilige Hype um Tier- vozugsweise Katzenkrimis ist abgeebt. Dafür erfreuen sich derzeit Frankreichkrimis besonderer Beliebtheit. Unterschiedliche – meist männliche – Ermittler tun ihren Dienst in der Provence, an der Côte d‘Azur oder in Aquitain. Das Strickmuster ist meist dasselbe – ein bisschen Spannung, seichte Unterhaltung und ein bisschen Vermittlung von Kultur und französischem Flair, auf den wir Deutsche neidvoll blicken. Aus der Masse dieser Publikationen sticht Sophie Bonnet ein gutes Stück heraus. Die Bücher der in Hamburg lebenden Autorin erfreuen sich sowohl in Deutschland als auch unter in Frankreich exilierten Deutschen großer Beliebtheit und bieten als Bonbon jeweils interessante Rezepte der französischen Küche, die qualitativ sind und zum Nachkochen einladen. Unlängst hat sie auch schon ein entsprechendes Kochbuch pubiziert.

Im mittlerweile siebenten Band ihrer Erfolgsreihe um den (zu Beginn des Romans suspendierten) Commissaire Pierre Durand – „Provenzialischer Stolz“ – geht es um einen einen Kettenbrief mit einer Weissagung, der in der Camargue-Ebene (Provence) umherläuft und ein Opfer nach dem anderen findet. Dem Commissaire steht eine Gitane (= „Zigeunerin“) zur Seite. Die Einführung jener Unterstützung geht mit ein bisschen Landeskunde einher. Gitane ist eine häufig abwertend-gemeinte Bezeichnung im Französischen für Sinti und Roma – und gleichzeitig wie Bonnet ausführt aber auch der Name eines Volkes, das wie die Sinti und Roma unter dem Überbegriff „Zigeuner“ subsummiert wurde. An dieser wie auch an anderen stellen vermittelt die Autorin auch kulturelles Wissen und Allgemeinbildung über Frankreich. Dabei nimmt die Beschreibung der Nahrung und Speisen in dem Roman wie gewöhnlich einen großen Stellenwert ein. Dies zeigt sich z.B. an der Beschreibung eines Cuvées, den ihr Protagoniste Pierre trinkt: „einem fruchtig-kirschigen Cuvé aus Grenache und Cinsault“ (20) oder bei der Beschreibung von manchem Gericht, welches er sich bestellt und verterrt. Um die Athmosphäre besser einzufangen streut Bonnet regelmäßig französische Begriffe ein; für meinen Geschmack teilweise zu viele. So benutzt sie für Rathaus, Bürgermeister oder gezapftes Bier jeweils die französischen Begriffe statt der deutschen.

Die Lektüre ist insgesamt spannend und beinhaltet auch eine überraschende Wende. Im Anhang finden sich ein Glossar mit Übersetzungen der französischen Begriffe, Anmerkungen der Autorin sowie gleich drei Rezepte. Ideale Urlaubslektüre für Frankreichfans.

Maurice Schuhmann

Sophie Bonnet: Provenzaischer Stolz. Ein Fall für Pierre Durand, blanvolet München 2020, 363 S., ISBN: 978-3-7645-0721-3, Preis: 15 €.