Mauje

Mauje

Mauje_978-3-86286-010-4_300dpi.previewAlles gelogen und doch wahr

Im kleinen, ambitionierten Verlag michason & may, von dem man hoffentlich noch viel hören wird, ist der Roman „Mauje“ von Norman Eckert erschienen. Eckert hat schon einige Kurzgeschichten veröffentlicht. „Mauje“ ist sein Erstling in der Gattung der Romane. Und das Werk ist gelungen. Ganz sicher hat mit Norman Eckert jemand die literarische Bühne betreten, der über das übliche Maß hinaus begabt fabulieren kann. Wortsicher, auch in der Bedeutungsvielheit von Begriffen, hat er auf 140 Seiten nicht nur die Geschichte der handelnden Personen aufgeschrieben, sondern zugleich eine kleine Sittengeschichte einer in Attitüden verlorenen Gesellschaft geschaffen.

Allerdings hätte man sich an einigen Stellen mehr Ausführlichkeit gewünscht. Der Mangel erzeugt Sprünge, die unwillkommen sind.

Mauje, der eigentlich Mark-Jens heißt, inszeniert sich und die Welt um ihn gleich mit. Er ist seine eigene Theateraufführung. Seine Welt besteht aus tausend Geschichten und jede Geschichte kann auf ganz unterschiedliche Art erzählt werden. Mauje biegt sich die Welt also zurecht. Und sein Talent zum Geschichtenerzählen setzt er als Meister für Finten, Ausreden und neue Wahrheiten in Geld um: Er wird Geschichtenerfinder. Natürlich kann das nicht gut gehen. Mauje verliert Wohnung und Freundin. Und Mauje verliert dabei auch sich.

Ob es einen Weg aus dem Labyrinth der ausgedachten Welt gibt, verrate ich an dieser Stelle natürlich nicht. Verraten aber werden kann: Es handelt sich um ein Buch, welches in Ihrem Bücherregal nicht fehlen sollte.

Mauje ist die Übersteigerung von uns allen. Er ist sozusagen die Potenzierung unserer Bereitschaft zur Lüge. Dass er sozusagen literarisch lügt, also weitreichend und in geschlossener Form, hebt ihn von uns ab und bringt ihn gleichzeitig näher an uns ran. Er ist die ewige PR-Abteilung in uns und zugleich das geträumte Sein. Norman Eckert weiß natürlich um seines Helden Qualitäten und hat es deshalb nicht versäumt, auch philosophische Betrachtungen in den Text einfließen zu lassen. „Frei Erfundenes wird geglaubt. Wahres bestritten“, heißt es in dem Text des Romans.

Während Eckert die Geschichte Maujes erzählt, hat er in den Roman immer wieder Betrachtungen von Menschen einfließen lassen, die Mauje kennen. Diese „Zeugenaussagen“ sind ein gutes Stilmittel, die Hauptperson dem Leser nahezubringen und zugleich den Fortgang des Romans (dessen Teil diese Einschübe natürlich sind) zu stärken, aber die romanimmanenten Darstellungen zugleich zu konterkarieren. Eckert hat eine Form der Personenschilderung gefunden, die seinem Werk ein zusätzliches literarisches Gewicht verleiht.

Die gewählte Sprache ist lapidar. Und sie ist es auch gutem Grund: Jeder Manierismus, wäre er auch noch so leicht gewesen, hätte das Buch zu Grunde gerichtet. So aber ist – auch sprachlich – ein Werk entstanden, von dem gehofft werden darf, dass es auch von den großen Feuilletons wahrgenommen werden wird.

Norman Eckert
MAUJE
Roman
ISBN: 978-3-86286-010-4
144 Seiten
Paperback
9,90€ (D)

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