Über die Gegenwart meiner wie auch der allgemeinen Literatur

Über die Gegenwart meiner wie auch der allgemeinen Literatur

guidorohm_thumb_medium150_100Kaffee, Zigarette.


Ich bin ein Frühlingsmensch, auf jeden Fall keiner, der die übermäßige Hitze braucht, noch viel weniger aber den Regen, denn der Regen und die Kälte stürzen mich in Tiefen, die mich weder schreiben noch auf die rechte Art atmen lassen. Die Selbstzweifel sind eh immer da, kehren wieder, satteln mich wie ein zu zähmendes Pferd. Ich springe beständig zwischen den Polen Größenwahn und Selbstzweifel, denn darum schuf ich unter anderem die Pathologie, sollte sie doch zu einem Ort werden, der für das Geschriebene da ist; aber eben für alles Geschriebene, die gelungenen Stücke sollten ebenso darin vorkommen wie die missratenen Schmierereien. Der tägliche Ausblick ins Selbst formuliert sich mal besser, mal schlechter, aber darauf kommt es mir nicht an, sondern auf die Position, die durch den selbstauferlegten Zwang gefunden wird. Der Autor, der dann wieder ich bin, neigt zu Zuständen vollkommenen Glücks wie auch Momenten totaler Verzweiflung. Eigentlich kenne ich nur diese beiden Pole, ein Dazwischen gibt es selten. Damit kann ich manchmal leben, oft wünsche ich es mir anders, aber es sind eben auch diese Pole die das Schreiben ermöglichen. Die Pathologie ist wie ein öffentlich gemachter Schreibtisch, der am Ende natürlich doch wieder nicht alles offenbart, sei es, weil man die Menschen, die man liebt, schützen muss, aber auch, weil man sich selbst stets in der Inszenierung präsentiert, die zur Literatur nun einmal gehört. Und um Literatur geht es hier ja nun einmal.
Ich kann andere Autoren immer weniger lesen, zumindest den Großteil von ihnen und bin überrascht, wie viel Gutes im Netz aufzuspüren ist, natürlich auch wie viel Schlechtes; bei Facebook wird da manches verlinkt, da würde man gerne aufschreien, aber man lässt es, man beginnt es zu übersehen. Überhaupt ist die Literatur ein Scheißhaufen, der immer größer wird; am Ende zieht man sich wieder zu den altbekannten Schreiberlingen zurück, die eh schon lange im eigenen Bücherregal ruhen. Aber die Frage bleibt, wie viel Bedeutung hat die eigene Schreibe, eine Frage, die auftaucht wie ein Regenguss, den man rennend durchquert. Die Frage sollte einen einfach nicht mehr kümmern, weil das Interesse an Kunst und Literatur nicht vorhanden ist. Es gibt einen Literaturmarkt. Das ist die eine Seite dieser schäbigen Medaille. Aber das leidenschaftliche Interesse an einer Literatur, die selbst noch als Mittelpunkt des Lebens gesehen wird, ist erloschen. Da sollte man sich nicht täuschen lassen. Romane und Erzählungen spielen nur als Unterhaltungsware eine Rolle. Da muss man sich ja nur die Kataloge ansehen, die wie Schmeißfliegen ins Haus stürmen. Historische Romane über Wunderdoktoren oder Krimis über Serienkiller, die so interessant sind wie mein Hausarzt, lauter Bücher, die beständig produziert werden, damit man in größter Not sich wenigstens noch den Arsch damit sauber wischen kann. Und dann die Aufregung der Textproduzenten über den Bachmannpreis. Warum sie sich darüber aufregen? Sie haben ja die Antworten wie man verschissene Beschreibungsliteratur beständig produziert. Die schreiben so langweilig wie sonst keiner, meinen aber, weil sie sich ihre Nichtigkeit nicht eingestehen wollen, sie müssten ihre austauschbaren Texte zum Höchsten erklären. Also wird über das Experiment gewitzelt.
Der Mainstream beherrscht inzwischen alles, vor allem aber die Gedanken, die uns zu Totschlägern machen, da wird geprügelt auf jeden Autoren, der nicht beständig unsere Meinungen wiederkäut. Ob Martin Walser oder Handke. Anstatt anständig zu streiten, wird verbannt. Die Hexenverfolgungen enden nie. Und dann erst die jüngsten Meldungen zu einem Buch, das wohl die wenigsten gelesen haben. Man sollte mit dem Werfen der Steine wenigstens warten, bis man auch gelesen hat, was man so verächtlich abtut. Aber die Gutmenschen haben zu sehr Freude an der eigenen Gerechtigkeit. Die können einfach nicht warten.
Das Unsichtbare will beschrieben werden. Das sagte Thomas Bernhard.
Recht so!
Man kommt manchmal aus dem Kotzen gar nicht mehr raus, blickt man sich um. Drum sollte man sich entleeren, hinab auf das Papier, direkt in die Tastatur hinein.

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