Philosophische Franzosen

Philosophische Franzosen

Philosophie Magazin

In unserem Nachbarland Frankreich ist das Philosophie-Magazin aus der Kiosklandschaft kaum noch weg zu denken. In den großen Städten wie Paris ist das populärwissenschaftliche Magazin für Philosophie mittlerweile Standardrepertoire – neben polpulärwissenschaftlichen Literaturzeitschriften. Dabei ist sowieso der französische Pressemarkt insgesamt stärker als der deutsche von populärwissenschaftlichen Special Interest-Magazinen bevölkert.

Nun hat sich das Magazin mit einer eigenen deutschen Ausgabe an den Start gewagt – und dem „blauen Reiter“, einem aus einer studentischen Initiative hervorgegangenen Halbjahresmagazin für Philosophie, den Markt streitig gemacht. Das Konzept entspricht in etwa einer 1:1-Übernahme des französischen Konzepts – ein Dossier (in der ersten Ausgabe zum Thema „Warum haben wir Kinder?“), ein Booklet mit Auszügen aus dem Werk eines bekannten Philosophen (hier: Aristoteles, Nikomachische Ethik) sowie Beiträge über seine grundlegenden Begriffe, einigen mehr oder weniger tiefgehenden Interviews (Julian Assange, Axel Honneth), Kolumnen, Rezensionen und kleineren philosophischen Appetithäppchen (Zitate, Erläuterungen). In leicht verständlichem Ton – und teilweise mit der für „Fachphilosophen“ sicherlich grauenhaften Vereinfachung werden philosophische Fragen alltagsnahe thematisiert – und auch auf Alltagssituationen heruntergebrochen. Mit dem abgedruckten Gespräch, dass Julian Assange und der umstrittene Philosoph Peter Singer führten, begeben sich die Macher des Heftes gleich in stürmisches Treiben. Peter Singer, der als umstrittener Vordenker von einer modernen Form der klassischen Euthanasie gilt, zum Auftakt in einem Land wie Deutschland zu wählen ist schon sehr provokant – auch wenn versucht wird, seine philosophischen Ansichten in einem erklärenden Abschnitt darzulegen.

Was sich als Konzept in Frankreich als Konzept bewährt hat, muss sich nun in Deutschland, dem klischeehaft als „Land der Dichter und Denker“ titulierten Land, bewähren. Ich habe diesbezüglich meine Zweifel, auch wenn ich diesem Magazin Erfolg wünsche und es trotz kleinerer Kritikpunkte für eine Bereicherung halte.

Philosophie Magazin, monatlich, 5,90 €. Weitere Informationen (auf französisch): http://www.philomag.com/

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