Autor: Redaktion

Errico Malatesta: Ungeschriebene Autobiografie

thumb_malatestaEin Leben lang ergeben gekämpft

Der italienische Anarchist Errico
Malatesta (1853-1932) gehört zu den wohl interessantesten
Persönlichkeiten der internationalen anarchistischen Bewegung. Das
hatte schon Max Nettlau, der Herodot des Anarchismus erkannt, und ihn
um das Aufschreiben seiner Erinnerungen gebeten. Malatesta hatte sein
Leben lang der anarchistischen Idee ergeben. für sie gekämpft und
agitiert – bis zu seinem Lebensende in einem faschistischen
Italien. In diesem Zuge kam es zu Zusammentreffen u.a. mit den
russischen Revolutionären Michael Bakunin und Peter Kropotkin als
auch mit dem Italiener Guiseppe Fanelli, der den Weg für die
Gründung einer Sektion der Internationalen Arbeiter Assoziation
(IAA) auf der iberischen Halbinsel legte. Auch wenn er in erster
Linie seinen Stellenwert im internationalen libertären Spektrum
seiner agitatorischen Tätigkeit verdankt, darf man aber auch nicht
seinen theoretischen Beitrag für die Bewegung vergessen.

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Kochen ist wie Sex

thumb_kochsexAuch das noch: Ein Kochbuch.

(Das Buch hat eine Website)

Hat Kochen mit Kultur zu tun? Aber ja.
Nicht nur im etymologischen Sinn, der das Wort „Kultur" von
„Pflege, Hege" ableitet. Während der Überlegungen zu einem
Essay, was Kultur ausmacht und was Kultur einschließt, ob nicht
sogar die Dekadenz, fiel uns ein Hinweis sozusagen in den Schoß –
in Form eines Kochbuchs. Ein Branding mit einem Löffel und zwei
Chilischoten, pfiffig. Minimalistisch gut. Das Cover hat kein Stümper
gemacht. Also bitten wir um ein Rezensionsexemplar und bekommen nach
wenigen Tagen ein wirklich schönes Buch zur Esskultur zugeschickt.

Das Branding funktioniert sofort. Der
Lebensgefährte, ein ausgesprochen zurückhaltender Zahlenmensch mit
Vorliebe für ökonomische Sachbücher, bemächtigt sich des Buches,
bevor frau es auch nur ansehen kann: Was ist das denn Schönes? –
Ein Rezensionsexemplar. – Du rezensierst jetzt Kochbücher?? –
Warum nicht? Essen ist Kultur. – Stimmt!

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Peter Schallmayer: Kapitalismuskritik

schallmayerMarx, Mann, Nietzsche

Der von Peter Schallmayer gewählte Titel für seine Dissertation provoziert und regt zum Lesen an. Gleichzeitig zeichnet es bereits sein Scheitern voraus – eine Analyse von Kapitalismuskritik – sowohl in der Theorie als auch in der Praxis – bei den ausgewählten Persönlichkeiten aus zwei Jahrhunderten auf knapp 180 Seiten zu leisten ist ein Ding der Unmöglichkeit.

In der als Einleitung gesetzten Definition der Zielsetzung seiner Arbeit schränkt er dann diesen Komplex sehr stark ein – „In dieser Arbeit geht es um Kapitalismuskritik, genauer um kapitalismuskritische 'legitimation narratives', wie sie seit dem 19. Jahrhundert mit Durchsetzung des Kapitalismus in Deutschland erzählt werden“ (S. 7).

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Sex & Drugs & Mukoviszidose

ranischRealexistierende Gothics

Während die Geschichte der Blues-Fraktion und der Punks in der DDR schon sehr ausführlich aufgearbeitet wurde – sicherlich noch immer nicht ausreichend -, ist die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Gothic-Subkultur immer noch weitgehend unbekannt. Die Autobiographie von, der bereits sehr früh zu jener Subkultur stieß und sie nun seit Jahren begleitet, hat daher eine große Bedeutung für das Verständnis und den Einblick in die Geschichte jener Subkultur. Ohne etwas zu beschönigen beschreibt er seinen Weg in die Subkultur sowie die hilflosen, bis hin zu offen feindlichen Reaktionen seitens seiner Umwelt auf seine Erscheinung. Erstaunlicherweise tauchen dabei weder Repressalien durch die Volkspolizei oder die Stasi auf, die immer wieder in der Erinnerungen ostdeutscher Punks eine wichtige Rolle spielen. Hat es diese nicht gegeben – oder hat er nur Glück gehabt, daß er sie nicht miterlebt hat?

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Kommunikationsgeschichte

kommunikationsbuch Kommunikativ

Der von Klaus Arnold, Markus Behmer und Bernd Semrad herausgegebene Reader versammelt Beiträge, die aus einer 2006 in Wien abgehaltenen Tagung der Fachgruppe Kommunikationsgeschichte der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) hervorgegangen sind. Obwohl explizit als Hand- und Lehrbuch konzipiert, können viele Beiträge auch als Kommentar auf die unerfreuliche Entwicklung verstanden werden, dass der Kommunikationsgeschichte trotz eines wachsenden Angebots und Interesses an medien- und kommunikationsgeschichtlichen Veröffentlichungen, Lehrveranstaltungen und Tagungen zumindest im deutschsprachigen Raum durch Stellenstreichungen eine institutionelle Marginalisierung droht – während im angloamerikanischen Sprachraum zeitgleich eine gegenläufige Entwicklung beobachtet werden kann. Dass die Kommunikationsgeschichte angesichts ihrer prinzipiellen interdisziplinären Orientierung und ihrer inhaltlichen Ausrichtung auf sozial, kulturell, juristisch und nicht zuletzt auch technologisch relevante Themenfelder eine stärkere wissenschaftspolitische Beachtung rechtfertigt, kann als Fazit dieses erfreulich innovativen Bandes den weiteren Ausführungen zu seinen Inhalten und seiner Struktur vorangestellt werden.

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Hollow Skai: Punk

thumb_hollowskai_lNoFuture war gestern

In der wissenschaftlichen Reihe vom Archiv der Jugendkulturen wurde nun die Magisterarbeit von Hollow Skai aus dem Jahre 1979 wiederaufgelegt. Hollow Skai, der das legendäre Punkrocklabel „No Fun“ sowie das gleichnamige Fanzine herausbrachte, hat sich zu diesem recht frühen Zeitpunkt versucht dem Phänomenen Punk zu nähern.

Erstaunlich ist, wieviele Themenkomplexe davon auch heute noch debattiert werden – z.B. Sexismus in der Szene -, die damals schon ein Thema waren. In erster Linie ist die Arbeit als Zeitdokument sehr spannend zu lesen. Wie schreibt (und reflektiert) ein Germanist und Politikwissenschaft über Punk im Jahre 1979, zu einem Zeitpunkt, da er selber Teil der Bewegung ist. Aus heutiger Sicht ist vieles – trotz der Überschneidungen mit den heutigen Debatten – bereits bekannt und abgegessen.

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Proudhon wird 200 (aber nicht alt!)

thumb_proudhonDer Vater der Anarchie

Pünktlich, kurz vor dem 200. Geburtstag des französischen Anarchisten Pierre-Joseph Proudhon (1809-1865), ist beim Lit-Verlag die deutsche Übersetzung seines letzten Werkes – „Von der Befähigung arbeitender Menschen zur Politik“ – erschienen.

Er hat es 1864 – knapp 25 Jahre nach dem Erscheinen seiner berühmten Abhandlung „Was ist das Eigentum?“ – verfaßt und in ihm seine über die Jahre gereiften Vorstellungen von einer gerechten Gesellschaftsordnung dargelegt. Zu diesem Zeitpunkt kann er bereits auf eine Anzahl von Schriften (und deren Übersetzungen in andere Sprachen) sowie praktische Erfahrungen und Experiemente alternativer Ökonomie wie dem Konzept Tauschbank zurückblicken.

Im Zentrum der vorliegenden Schrift steht bei dem „Vater der Anarchie“,
wie er wegen seiner positiven Umdeutung des Begriffes „Anarchie“ im
Zuge seiner Schrift „Was ist das Eigentum?“ genannt wird, wiederum das
Prinzip des „Mutualismus“, das eng verknüpft ist mit dem ebenfalls von
ihm stark gemachten Begriff der Autonomie und der Dezentralisierung. 
Übersetzt und herausgegeben wurde dieser Band von Lutz Roemheld, der in
der gleichen Reihe bereits vor vier Jahren den Sammelband „Erinnerung
an P.-J. Proudhon“ (ISBN: 978-3825882926) herausgegeben hat. 

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Das weibliche Genie Hannah Arendt

thumb_dasweiblichegenieDie spannende Denkerin

Die jüdische Philosophin und Sozialwissenschaftlerin Hanna Arendt gehört zweifellos zu den spannendsten und auch für die Reflexion der Moderne wichtigsten Denkerinnen des 20. Jahrhunderts.

Sich einer Denkerin wie ihr zu nähern, ohne in unkritische Lobhudelei oder in die klassische Kritik ihres z.T. „unwissenschaftlichen“ Prozesses der Erkenntnisgewinnung zu verfallen fällt schwer. Ihr Denken und Werk bot – und bietet immer noch – viele Aspekte, die Anknüpfungspunkte für Kritik bieten; sei es ihre Formulierung der „Banalität des Bösen“ in bezug auf Eichmann, ihre Analysen über totalitäre Herrschaft oder ihr elitäres, politisches Konzept, welches sich an der griechischen Polis orientiert.

Der in Paris lebenden Psychoanalytikerin Julia Kristeva gelingt es, ein
sehr sachliches Porträt jener Denkerin zu zeichnen, in dem sowohl ihre
philosophischen Leistungen als auch ihre Schattenseiten ihren Platz
finden. Dabei präsentiert sie aber auch einen etwas anders gewichteten
Fokus auf die Philosophie Arendts. 

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Topographien der Leere

thumb_topoleereSchreiben und Schrift

Im Zuge seiner Dissertation hat sich Stephan Braun der Frage nach den Topographien der Leere im Werke des Dichterphilosophen Friedrich Nietzsche gewidmet. Sein theoretisches Fundament zur Annäherung an jene Thematik, die er in dem Aspekt „Schreiben und Schrift“ verortet, basiert auf den Arbeiten von den beiden französischen Denkern Roland Barthes und Gilles Deleuze. Er balanciert dabei geschickt zwischen den Disziplinen der Philosophie und der Literaturwissenschaft.

Der Schrift kommt dabei der Prozeß der Eroberung (und somit die Ausfüllung) der Leere zu; der Akt des Schreibens als Akt der Inbesitznahme ist dabei auch der Fokus von Brauns Studie. Durch diese Fokussierung ist eine topographische Bestimmung dieser
Leere überhaupt erst möglich. Über sechs Kapitel erschließt er den
Forschungsgegenstand programmatisch von unterschiedlichen Aspekten aus
– vom Akt („Schreiben der Schrift“) bis zur Tier-Metaphorik wie dem
„weißen Stier“, den er auch als den Prozeß des Schreibens decodiert.

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Das Vampirbuch

thumb_vampirbuchFakten zu Spitzzahnern

Der Buchmarkt ist überflutet von Büchern über Vampire – von literarischen Texten bis hin zu (pseudo-)wissenschaftlichen Traktaten. Ungebrochen erscheint der Mythos, des blutsaugenden Wiedergängers und seiner Gefährten. Aus der Masse von Veröffentlichungen über den Thema Vampirmythos sticht die von Ditte und Giovanni Bandini geschriebene Studie heraus.

Nüchtern und zugleich aber sehr flüssig geschrieben beleuchten sie unterschiedliche Mythen, die im Zusammenhang mit der Gestalt des Vampirs stehen, und deren Wandel. Dabei beweisen sie den Blick für das Wesentliche und überfrachten den Leser nicht mit Fakten, zeigen aber eine Reihe von Zusammenhängen auf – sei es der Mythos vom Blut (Stichwort „Blutbrüderschaft“, christlicher Mythos vom Blut Christi, volkstümlicher Glauben) oder die Verwandtschaft zu anderen Fabelwesen (Feen, Hexen Werwölfen).

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Parousia. Angekommen in der Freiheit

thumb_oppohansenFreiheitsphilosophie vom Stammtisch

Lesern der kleinen individualanarchistischen Zeitschrift „Espero“ ist der Name des Autors Karl-August Hansen mittlerweile ein Begriff. Unermüdlich predigt der knapp 80jährige Liberale für seine politischen Ideale, die sich auch in den Zielen der Föderalistischen Partei Deutschlands (http://www.foedpd.de/) und seiner Nähe zur marktradikalen Ideologie des anarchokapitalismus wiederfinden.

In seinem Roman „Parousia. Angekommen in der Freiheit“ versucht er diese Ideale in literarischer Form zu verbreiten. In einen langweiligen Plot einer platten Liebesgeschichte eines friesischen Jungen und einer Kurdin, die sich durch eine Anreihung von Plattheiten auszeichnet, versucht er in Form der Dialoge seiner Protagonisten seine Gedanken über die ungeheure Höhe von Steuern, der Staatskritik und des Föderalismus zu vermitteln.

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Tolstoi: Dichter, Christ, Anarchist

thumb_leo_tolstoy_1887Keine Würze in der Kürze

Ulrich Klemm hat sich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder durch seine unermüdliche Forschung zu anarchistischen Pädagogikkonzepten – u.a. auch dem Leo Tolstois einen Namen gemacht.

An seinen Texten kommt man nicht vorbei, wenn man sich als deutschsprachiger Rezipient mit jenem Thema beschäftigt – und von den Texten war ich auch immer eine solide und gut recherchierte Aufarbeitung gewöhnt. Die vorliegende Broschüre enttäuscht daher um so mehr.

In acht Kapiteln (sechs davon mit einem konkreten Schwerpunkt) wird
Tolstoi nur schlaglichtartig mit ein paar Impulsen für eine
weitergehende eigene Beschäftigung "auf bereitet". Die sprichwörtliche
Würze der Kürze kommt dabei leider nicht zum tragen. So besteht das
Kapitel über "Tolstoi als Visionär" aus nicht mehr als 25 Zeilen (!). 

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Sexualität, Identität und Macht bei Michel Foucault

thumb_faucaultDas Spiel der Lüste

Das dreibändige Werk „Sexualität und Wahrheit“ des französischen Philosophen Michel Foucault (1926-1984) ist bereits seit ein paar Jahren für die deutsche Linke ein Standardwerk – für viele linke Geistes- und Sozialwissenschaftler gehört deshalb auch eine Abschlußarbeit an der Universität über Foucault mittlerweile zum guten Ton.

Im Mittelpunkt der Foucaultschen Untersuchung der Sexualität steht das Verhältnis von Sexualität, Identität und Macht, wobei er die Sexualität und Erotik mit spieltheoretischen Implikationen versuchte zu fassen. Diese Fragestellung bildet auch für den vorliegenden Sammelband der rote Faden, anhand dem sich fünf AutorInnen mit Teilaspekten seiner Philosophie auseinandersetzen und Kernbegriffe und Überlegungen aus „Sexualität und Wahrheit“ aufgreifen.

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Interventionen: Haben und Nichthaben

thumb_582choms_150Chomsky im Doppelpack

Der am MIT lehrende Linguistikprofessor Noam Chomsky gilt seit mehreren Jahrzehnten  mittlerweile als das Flaggschiff der linken, intellektuellen Opposition in den USA, der sich seit den Tagen des Vietnamkrieges immer wieder kritisch zur Lage äußert. Tariq Ali verglich ihn daher im Vorwort zu „Interventionen“ nicht umsonst mit dem britischen Philosophen Bertrand Russel, der ebenso wie er seine Kritik den Politiker ohne falsche Scham ins Gesicht sagte und für Chomsky auch eine wichtige Inspirationsquelle darstellt. Im Gegensatz zu Russel wählt Noam Chomsky vor allem die journalistische Form der Kolumne oder Glosse, um seine Kritik auszudrücken.

Im Zentrum stehen dabei in den vergangenen Jahren vor allem die amerikanische Außenpolitik – vor allem gegenüber Lateinamerika, Israel und dem Irak.

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Anarchismus und Fiktion

thumb_seyferth1Die Bedeutung utopischen Denkens

Die amerikanische Schriftstellerin Ursula K. Le Guin läßt sich ohne weiteres als die Grande Dame des SF-Romans titulieren. Für ihre Romane und Erzählungen, die nicht nur unter den eingefleischten Fans des Genres verbreitet sind, hat sie bereits eine Reihe von Auszeichnungen erhalten. Der Politikwissenschaftler Peter Seyferth hat die politische Philosophie, die in ihren Romanen eine bedeutende Rolle spielt, unter dem Aspekt der Zugehörigkeit zum Genre der Utopie untersucht. Dabei bilden der Anarchismus – vorrangig der Bezug auf Peter Kropotkin und Paul Goodman, der Feminismus und die philosophische Ebene des Taoismus die Grundlage, aus der sich die Gesellschaftsutopien der Autorin speisen, wie er in seiner Arbeit stringent aufzeigt.

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Schwule Nazis

thumb_schwulenazisSchwule Nazis
Ein widersprüchliches Thema


In seinem ersten Buch versucht der Autor Markus Bernhardt das Verhältnis zwischen Neofaschismus und männlicher Homosexualität darzustellen und zu dokumentieren. Ein widersprüchliches wie auch heikles Thema. Schwule waren und sind Opfer, sie gehören zu den Opfergruppen des Faschismus und von Neofaschisten.

Aber sie sind es nicht nur. Sowohl im historischen deutschen Faschismus, Stichwort Ernst Röhm, als auch in der gegenwärtigen Neonazi-Szene finden sich aktive Schwule, und der Hang zum Fetisch "NS-Symbole" innerhalb von Teilen der schwulen Szene scheint nicht immer "nur" sexuell motiviert zu sein. Das alles findet nicht im luftleeren Raum statt. Auch innerhalb der schwulen Szene, insbesondere bei Medien und Verbandsfunktionären, ist nach der Phase der Entpolitisierung nunmehr ein verstärkter Rechtsruck zu beobachten, rassistische Vorurteile und Minderheitenfeindlichkeit sind auch hier zu finden.

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Rudi und Ulrike

thumb_ruulrDem Götz das Ärschle zeigen

Jutta Ditfurth: Rudi und Ulrike

Jutta Ditfurth hat ein notwendiges und wichtiges Buch geschreiben; eines, welches ich ausgesprochen gerne empfehle. Und zwar all jenen Vertretern des Anti-68ger-Revisionismus' ebenso, wie denen unter uns, die sich – wie ich – die Platze ärgern über Geschichtsklitterung und Oberflächlichkeit.Ditfurth schreibt fundiert. Was sie schreibt, belegt sie. Und dieses Buch, welches sich vordergründig um die Freundschaft zwischen Rudi Dutschke und Ulrike Meinhof dreht, eröffnet den Blick in eine BRD- und Westberlin-Wirklichkeit, die mit ihren postfaschistischen Erscheinungsformen ins Vergessen geschrieben werden soll, von einer adenauernden Mischpoke von rückwärtsgewandten Wendehälsen, die den Kohl noch einmal aufmerkeln wollen, den wir gottlob zwar noch als Erscheinungsform gegenwärtiger Politik und Moral am Hals haben, aber wenigstens nicht mehr auf dem Sessel der ausführenden Macht.

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Das Bildungsprivileg

preisendoeferDas Bildungsprivileg – Warum Chancengleichheit unerwünscht ist

Bruno Preisendörfer

 

Bruno Preisendörfer hat dem "Das Bildungsprivileg" ein Buch geschrieben, welches nicht nur auf die Schreibtische der Bildungspolitiker, sondern auch in die Hände, der von ihnen Betroffenen gehört: Den Schülern, Eltern, Lehrern. Der Band, dessen Preis von 16,95 Euro eine gut angelegte Investition ist, ist faktenreich und in hohem Maße fundiert.

Dabei ist das Buch nicht trocken geschrieben. Durch den persönlichen Bezug – Preisendörfer ist, wie ich auch 1957 geboren -, zur Entwicklung von Bildung und Schule in der BRD, den der Autor nicht zu oft und nicht zu selten bildet, liest sich "Das Bildungsprivileg" ohne Langeweile.

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Chaos

thumb_dowiechaoscoverRock’n’Roll aus der Kommune

Der Versuch, Subkulturen in Romanen adäquat abzubilden bzw. sie in einen Roman gekonnt einzubinden, ist in den meisten Fällen zum Scheitern verurteilt. Entweder ist der / dieAutorIn selber durch seine Zugehörigkeit zu dieser oder jener Subkultur zu tief in der Materie drin oder die Betrachtung entblößt sehr schnell die Unkenntnisse. Eine weitere Kategorie von Romanen umschifft diesen Problemkontext, indem bewußt mit Klischees gespielt wird.

Zu dieser Kategorie gehört auch der Debütroman „Chaos“ von der englischen Schauspielerin und Regisseurin Claire Dowie. Den Rahmen für ihren Roman bildet eine wilde 70er Jahre Hippiekommune, in der sich das Leben um Biogemüse, (pseudo)freie Liebe und Drogenkonsum dreht. In dieser Kommune wächst ihr Protagonist „Chaos“ auf, der mit seiner Band zum Weltstar aufsteigt und tragisch bei einem Autounfall ums Leben kommt. Ein Plot aus dem sich etwas machen liesse, den aber Claire Dowie leider verschenkt.

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Erinnerungen

Neuere Publikationen zum Spanischen Bürgerkrieg & der sozialen Revolution

Walther L. Bernecker / Sören Brinkmann: Kampf der Erinnerungen. Der Spanische Bürgerkrieg in Politik und Gesellschaft 1936-2006, Verlag Graswurzelrevolution Neckersheim 2006, Preis: 20,50 EUR,  378 S., ISBN: 978-3-939045-02-0.
Sören Brinkmann: Katalonien und der Spanische Bürgerkrieg, edition tranvía, Berlin 2007, Preis: 17,80, 160 S., ISBN: 978-3-938944-12-7.
Arthur Lehning: Spanisches Tagebuch & Anmerkungen zur Revolution in Spanien, edition tranvía, Berlin 2007, Preis: 18,00 Euro, 196 S., ISBN: 978-3-938944-04-2.
Heiko Schmidt (Hrsg.): Die Freiheit fällt nicht vom Himmel. Fundstücke aus dem Spanischen Bürgerkrieg, Preis: 15 Euro, 192 S., ISBN: 978-3-00-024106-2.

thumb_republicanwoman1936gtaroUnter dem Titel „Kampf der Erinnerungen“ nähern sich Walther L. Bernecker und Sören Brinkmann dem Spanischen Bürgerkrieg und der mit ihm verbundenen Erinnerungspolitik. Walther L. Bernecker gilt nicht umsonst als eine Koryphäe auf dem Gebiet der deutschsprachigen Forschung zum spanischen Bürgerkrieg. In seinem Teil in „Kampf der Erinnerung“ thematisiert er die unterschiedlichen Facetten des Bürgerkrieges und der Revolution in kenntnisreicher und pointierter Weise.

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Die großen Streiks

thumb_t000000000282-02Episoden aus dem Klassenkampf

Die Kampfform des Streiks hat auch in Deutschland in den vergangenen Jahren wieder eine Renaissance erlebt. Sowohl DGB-Gewerkschaften als auch kleinere Gewerkschaften wie Cockpit haben mehr oder weniger erfolgreich ihre Lohnforderungen mit dieser Form der Auseinandersetzung unterstrichen.

Auch der Buchmarkt hat diese Renaissance des Themas gewürdigt – beginnend mit Michael Kittners Studie „Arbeitskampf. Geschichte – Recht – Gegenwart“ über Streiks in Deutschland bis hin zu der Arbeit von Peter Birke über „Wilde Streiks im Wirtschaftswunder: Arbeitskämpfe, Gewerkschaften und soziale Bewegungen in der Bundesrepublik und Dänemark“.

Dennoch deckt gerade der von Holger Marcks und Matthias Seiffert
herausgegebene Sammelband noch eine Lücke ab. Es geht, wie sie es im
Vorwort formulieren, um eine Schilderung von großen Streiks als
historische Ereignisse. Sie haben sich dabei auf elf, exemplarische
Streiks im 20. Jahrhundert fokussiert. Diese werden in lebendiger Form
als Streik an sich dargestellt und mit einem historischen Abriß der
Geschichte der Arbeitskämpfe im jeweiligen Land und der Biographie
eines wesentlich am Streik beteiligten Gewerkschaftlers (Frauen kommen
diesbezüglich leider zu kurz!) kontextualisiert.

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Berlin für Arme

berlinarmeBernd und Luise Wagner


Berlin für Arme

Bernd und Luise Wagner haben ein Buch
geschrieben, welches gleich drei wichtige Pluspunkte auf sich
vereinigen kann: Es ist nützlich (jedenfalls wenn man arm ist), es
ist mit leichter Hand und viel Sprachverständnis geschrieben (macht
also schriftstellerisch seinen Autoren alle Ehre) und es ist
liebenswert (was bei mir bedeutet, dass es auf alle erhobenen
Zeigefinger verzichtet, die denkbar wären).

Worum geht es? Es ist ein Leitfaden zum
Erhalt der persönlichen Würde von Hartz-IV-Opfern und anderen
Verarmten. Es ist also ein Buch, welches in der gegen- und
widerwärtigen Bundesrepublik Deutschland einen hohen Stellungswert
haben sollte. Meine Rezension soll das ihre dazu beitragen, seiner,
des Buches, Verbreitung zu dienen. 

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Sexunddreißig Klassiker

thumb_vdfelde-abneigng-0294Klassiker der Sexualwissenschaft

Der Kulturwissenschaftler und freie Publizist Pascal Pfitzenmaier hat für das Projekt Gutenberg unter wissenschaftlicher Beratung von PD Dr. med. Peer Briken eine Zusammenstellung von 36 Klassikern der Sexualwissenschaft erstellt und minimal editiert. Eine sehr löbliche Angelegenheit, da viele Titel in den gängigen Bibliotheken häufig mit dem Vermerk „Kriegsverlust möglich“ im jeweiligen Katalog auftauchen.

 Ausgehend von der 1886 erstmals publizierten „Psychopathia Sexualis“ über Alfred Adlers „Das Problem der Homosexualität“ bis hin zu van Veldes „Triologie über das eheliche Glück“ reicht die Sammlung, die er in vier Bereiche: Anfänge der Sexualwissenschaft, Entfaltung der Sexualwissenschaft, Sexualität und Fremde sowie Ehe- und Sexualratgeber – einteilt. Neben den Faksimiles der Texte finden sich kurze Inhaltsangaben und eine sehr oberflächliche Einleitung in die Thematik auf der DVD. So wichtig und löblich das Projekt ist, so schnell stößt es aber auch an seine Grenzen.

Das auf den ersten Blick so umfangreich erscheinende Archiv zeigt
für den Kenner bereits nach kurzem Betrachten erhebliche Lücken – z.B.
fehlt Iwan Blochs Studie über das Sexualleben der Engländer u.a.
relevante Texte.

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Jüdische Kultur

thumb_m-01452-covergross-20080228-121354Jüdische Hochschullehrer 1870 – 1924

Andreas D. Ebert, Direktor der Klinikfür Gynäkologie und Geburtsmedizin des Vivantes Humboldt-Klinikums in Berlin, hat mit der vorliegenden Studie einen wichtigen Beitrag für die Erforschung deutscher Universitätsgeschichte geleistet. Anhand einer quantitativen Untersuchung des Anteils von jüdischen Hochschullehrern (d.h.: Privatdozenten, Extrordinarien und Professoren) in den drei klassischen, weltlichen Fakultäten – Medizin, Philosophie und Jura – zeichnet er indirekt auch eine Entwicklung des deutschen Antisemitismus nach.

 Seine Studie liefert mit ihren Ergebnissen interessante Anknüpfungspunkte für eine nähere Erforschung einzelner Universitätsstädte und des Antisemitismus ihres Hochschullehrerkollegs. Dabei dienen ihm auch die Relation zum jüdischen Bevölkerungsanteil sowie die Relationen der Vertreter der christlichen Konfessionen eine Bezugsgröße.

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Klassenkampf: amerikanisch

cover_crossing-webCrossing the Border

Das gemeinsame Werk von Justin Akers
Chacón und Mike Davis thematisiert die Migration – im zweiten Teil
explizit die lateinamerikanische Migration am Beispiel Mexiko – und
deren Zusammenhang mit dem Klassenkampf. Dabei richtet sich der Fokus
des marxistischen Soziologen Mike Davis auf die Gewalt, die sowohl
von privater als auch staatlich institutioneller Seite gegen die
MigranntInnen ausgeübt wurde (z.B. die Pinkteron Agentur, Ku Klux
Klan) und zeichnet die unterschiedlichen Wellen dieser Gewalt nach.

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Fatal ist mir das Lumpenpack,
das, um die Herzen zu rühren,
den Patriotismus trägt zur Schau,
mit allen seinen Geschwüren.

Heinrich Heine
Wintermärchen, 1844

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