Quantensingularität

Quantensingularität

nachtgeschwisterVon den Grenzen der (deutschen) Sprache

Natascha Wodins „Nachtgeschwister"
ist das erste Buch seit Langem, an dem ich, nachdem ich es aus der
Schutzfolie schälte, erst einmal gerochen habe. Ganz sicher
war das weder publizistische Absicht, noch ist es kulturkritisch von
Belang, dass ich den spezifischen Geruch frisch gedruckter Bücher
liebe; jenen typischen Geruch, den moderne Printmethoden mittlerweile
so selten gemacht haben. Aber die Tatsache, dass ich zuerst an dem
Buch roch, einem wortlosen, instinktiven Sinn zuerst nachging, legte
sich vor die Besprechung von „Nachtgeschwister" wie ein Omen.

In diesem Buch erzählt die Autorin von
„Die gläserne Stadt", „Erfindung einer Liebe" und „Einmal
lebte ich" die, eindeutig autobiografische, deutsch-deutsche
Geschichte eines langen und qualvollen Scheiterns zweier Menschen an
sich selbst und vor allem des Scheiterns an ihrer Beziehung
zueinander.

Call for Papers

Call for Papers

erophil-logo CfP:
Erotikliteratur – quo vadis?

  •  Veranstalter:
    Dipl.-Pol. Maurice Schuhmann, erophil – Leselust aus Leidenschaft
    24.10.2009, Berlin
  •  Deadline: 14. Juli 2009

 Im
Rahmen des ersten internationalen Festivals für Erotikliteratur in
Berlin „erophil" wird am 24. Oktober 2009 in
Nachbarschaftszentrum Urbandstraße (Berlin-Neukölln) eine
Fachtagung unter dem Titel „Erotikliteratur – quo vadis?"
stattfinden.

 Das
Angebot zielt auf einen interdisziplinären Austausch von
LiteraturwissenschaftlerInnen, SoziologInnen, WissenschaftlerInnen
aus den Bereichen Queer- und Genderstudies sowie VerlegerInnen und
AutorInnen ab.

 Der
Veranstaltungsort ist daher auch bewußt so gewählt, daß er aus dem
gängigen akademischen Kontext herausfällt und eine die Diskussion
der unterschiedlichen Genres fördernde Atmosphäre bietet und auch
die Schwellenangst von BesucherInnen minimiert.

Leichenfledderei

Leichenfledderei

zeyerOder: Die Gehilfen der Totgesagten
leben länger

Das ist schon ein starkes Stück, was
Herr Zeyer uns da auftischt. Nicht ob des Inhalts. Den kannten wir
ohnehin schon. Will sagen: Wussten es. Oder vermuteten es zumindest:
Den ignoranten Bankern, nicht einmal jenen aus der Schweiz, ist
wirklich nicht zu trauen. Aus der Bankenwelt rumorte das schon lange,
sozusagen als offenes Geheimnis die Runde machend.

Pauschal sozusagen. „Alles
Verbrecher" tönte ein Freund aus der Schweiz schon vor fünf
Jahren ins Telefon, „glaubs mir, ich weiß, wovon ich rede". Herr
Zeyer weiß es auch, hat er doch über Jahre für diese Leute die
Kommunikationsarbeit gemacht, oder um es deutlich zu sagen: Den
Moloch in schöne, bunte Wortpräsentpäckchen geschnürt, mit feinem
Schleifchen dran. Nun, nach dem großen Crash, mitten im (allseits
erwarteten) Heraufdämmern der großen Krise, hat Herr Zeyer ein Buch
geschrieben

Kurze Nächte

Kurze Nächte

Falscher Untertitel? „… und belanglose Sexgeschichten" – möchte man gerne als Untertitel einfügen. Trotz eines Plots, der eine etwas anders als gewohnte Perspektive verspricht – nämlich aus der Sicht einer arbeitslosen alleinerziehenden Mutter, verfällt die Erzählung in die Belanglosigkeit des Genres herab. Die Erzählerin Eva durchlebt eine mehr oder weniger auf dem Niveau von gängigen […]

Lust-voller Schmerz

Lust-voller Schmerz

lustvollerschmerzQueering and Performing Sadomasochism

Im Jahr 2007 – gut 120 Jahre nach dem erstmaligen Erscheinen der „Psychopathia Sexualis" von Krafft-Ebing – fanden gleich zwei wissenschaftliche Konferenzen in Deutschland statt, die sich der Thematik Sadomasochismus widmeten. Die erste, zu der Sonderforschungsbereich 447 „Kulturen des Performativen" der Freien Universität Berlin eingeladen hatte, fand im Februar im Berlin unter dem Titel „Queering and Performing Sadomasochism" statt. Ein paar Monate darauf folgte die Tagung „Lust und Schmerz – Sadomasochistische Perspektiven" von der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung (DGSS), die sich personell streckenweise mit der ersten überschnitt.
Der hier vorliegende Tagungsband dokumentiert die Tagungsbeiträge der DGSS-Tagung, die sich in den folgende vier Panels erstreckte:

  • Kulturgeschichte des Sadomasochismus
  • Sadomasochistische Lebenswelten
  • Der klinische Blick
  • Sadomasochistische Phänomene

 

Errico Malatesta: Ungeschriebene Autobiografie

Errico Malatesta: Ungeschriebene Autobiografie

thumb_malatestaEin Leben lang ergeben gekämpft

Der italienische Anarchist Errico
Malatesta (1853-1932) gehört zu den wohl interessantesten
Persönlichkeiten der internationalen anarchistischen Bewegung. Das
hatte schon Max Nettlau, der Herodot des Anarchismus erkannt, und ihn
um das Aufschreiben seiner Erinnerungen gebeten. Malatesta hatte sein
Leben lang der anarchistischen Idee ergeben. für sie gekämpft und
agitiert – bis zu seinem Lebensende in einem faschistischen
Italien. In diesem Zuge kam es zu Zusammentreffen u.a. mit den
russischen Revolutionären Michael Bakunin und Peter Kropotkin als
auch mit dem Italiener Guiseppe Fanelli, der den Weg für die
Gründung einer Sektion der Internationalen Arbeiter Assoziation
(IAA) auf der iberischen Halbinsel legte. Auch wenn er in erster
Linie seinen Stellenwert im internationalen libertären Spektrum
seiner agitatorischen Tätigkeit verdankt, darf man aber auch nicht
seinen theoretischen Beitrag für die Bewegung vergessen.

Kochen ist wie Sex

Kochen ist wie Sex

thumb_kochsexAuch das noch: Ein Kochbuch.

(Das Buch hat eine Website)

Hat Kochen mit Kultur zu tun? Aber ja.
Nicht nur im etymologischen Sinn, der das Wort „Kultur" von
„Pflege, Hege" ableitet. Während der Überlegungen zu einem
Essay, was Kultur ausmacht und was Kultur einschließt, ob nicht
sogar die Dekadenz, fiel uns ein Hinweis sozusagen in den Schoß –
in Form eines Kochbuchs. Ein Branding mit einem Löffel und zwei
Chilischoten, pfiffig. Minimalistisch gut. Das Cover hat kein Stümper
gemacht. Also bitten wir um ein Rezensionsexemplar und bekommen nach
wenigen Tagen ein wirklich schönes Buch zur Esskultur zugeschickt.

Das Branding funktioniert sofort. Der
Lebensgefährte, ein ausgesprochen zurückhaltender Zahlenmensch mit
Vorliebe für ökonomische Sachbücher, bemächtigt sich des Buches,
bevor frau es auch nur ansehen kann: Was ist das denn Schönes? –
Ein Rezensionsexemplar. – Du rezensierst jetzt Kochbücher?? –
Warum nicht? Essen ist Kultur. – Stimmt!

Autor des Querverlages ausgezeichnet

Autor des Querverlages ausgezeichnet

Leslie Feinberg für sein Lebenswerk ausgezeichnet   Berlin, 3. Juni. Die Autor des Querverlags Leslie Feinberg wurde am 28. Mai in New York City für sein Lebenswerk mit dem Lambda Pioneer Award ausgezeichnet. Leslie Feinberg ist langjähriger politischer Aktivist, Journalist und Redakteur für die Zeitung „Workers Work“. Sein erster Roman Stone Butch Blues (1993) wurde […]

Peter Schallmayer: Kapitalismuskritik

Peter Schallmayer: Kapitalismuskritik

schallmayerMarx, Mann, Nietzsche

Der von Peter Schallmayer gewählte Titel für seine Dissertation provoziert und regt zum Lesen an. Gleichzeitig zeichnet es bereits sein Scheitern voraus – eine Analyse von Kapitalismuskritik – sowohl in der Theorie als auch in der Praxis – bei den ausgewählten Persönlichkeiten aus zwei Jahrhunderten auf knapp 180 Seiten zu leisten ist ein Ding der Unmöglichkeit.

In der als Einleitung gesetzten Definition der Zielsetzung seiner Arbeit schränkt er dann diesen Komplex sehr stark ein – „In dieser Arbeit geht es um Kapitalismuskritik, genauer um kapitalismuskritische 'legitimation narratives', wie sie seit dem 19. Jahrhundert mit Durchsetzung des Kapitalismus in Deutschland erzählt werden“ (S. 7).

Europa Erlesen – Balkan

Europa Erlesen – Balkan

ee_balkanZwei Liebhaber vor dem Anthologien-Regal im Buchlanden.
„Und?“
„Nix“.

Wer Anthologien liebt, findet sich häufig enttäuscht. Mit dem Frust über schlecht Zusammengekleistertes könnte man Bände füllen. Kein Wunder, dass Anthologien sich schlecht verkaufen, Herausgebertum ist dann doch seltene Klasse statt zusammengeklaubte Masse. Oder immer wieder neu Aufgewärmtes, das uns sogar namhafte Großverlage ständig auftischen. Ganz ohne Scham. Gähnende Leere in den Anthologie-Kassen. Ob gähnender inhaltlicher Leere. Man muss schon suchen, um der Liebe zu Anthologien wirklich frönen zu können. Und wird fündig – in Österreich. Warum nicht in Frankfurt, Hamburg, Wiesbaden?

Direkter Eingriff ins Hirn

Direkter Eingriff ins Hirn

koehlerEin Berlin-Thriller von Jens Johler

Der Mensch hat vom Baum der Erkenntnis gegessen und seither ist er verantwortlich für sein Tun, glaubt Troller, der seinen Rotwein am Ludwigkirchplatz kauft, immer wieder seine Tochter versetzt und fast vor Angst vergeht, daß er von seiner neuen und sehr jungen Freundin für sein Alter seinerseits versetzt wird. Ein rastloses Leben für den Berliner Wissenschaftsjournalisten.

 „In dem Moment, in dem die Wissenschaft sich des Menschen bemächtigt, verliert er seinen freien Willen“, lautet eine der Thesen von Troller, um die er ein Buch geschrieben hat, das keiner lesen will.

FAIRLAG

FAIRLAG

In einer gemeinsamen Presseerklärung haben der Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e.V. (BVjA), die Autorinnen & Autoren der Schweiz (AdS), die IG Autorinnen Autoren Österreichs und der Verband deutscher Schriftsteller (VS in ver.di) zum Welttag des Buches vor sog. Bezahlverlagen gewarnt. Wir dokumentieren die Presseerklärung nachfolgend:

thumb_fairlagProminente Autorinnen und Autoren unterstützen Fairlag-Initiative gegen unseriöse Verlagspraktiken

25 Schriftstellerinnen und Schriftsteller wie Elfriede Jelinek, Günter Grass, Ralph Giordano, Tanja Kinkel, Rafik Schami und Elke Heidenreich unterzeichnen anlässlich des Welttags des Buches am 23. April 2009 die Fairlag-Erklärung von 50 Autorenverbänden und anderen Literaturinstitutionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Sex & Drugs & Mukoviszidose

Sex & Drugs & Mukoviszidose

ranischRealexistierende Gothics

Während die Geschichte der Blues-Fraktion und der Punks in der DDR schon sehr ausführlich aufgearbeitet wurde – sicherlich noch immer nicht ausreichend -, ist die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Gothic-Subkultur immer noch weitgehend unbekannt. Die Autobiographie von, der bereits sehr früh zu jener Subkultur stieß und sie nun seit Jahren begleitet, hat daher eine große Bedeutung für das Verständnis und den Einblick in die Geschichte jener Subkultur. Ohne etwas zu beschönigen beschreibt er seinen Weg in die Subkultur sowie die hilflosen, bis hin zu offen feindlichen Reaktionen seitens seiner Umwelt auf seine Erscheinung. Erstaunlicherweise tauchen dabei weder Repressalien durch die Volkspolizei oder die Stasi auf, die immer wieder in der Erinnerungen ostdeutscher Punks eine wichtige Rolle spielen. Hat es diese nicht gegeben – oder hat er nur Glück gehabt, daß er sie nicht miterlebt hat?

Kommunikationsgeschichte

Kommunikationsgeschichte

kommunikationsbuch Kommunikativ

Der von Klaus Arnold, Markus Behmer und Bernd Semrad herausgegebene Reader versammelt Beiträge, die aus einer 2006 in Wien abgehaltenen Tagung der Fachgruppe Kommunikationsgeschichte der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) hervorgegangen sind. Obwohl explizit als Hand- und Lehrbuch konzipiert, können viele Beiträge auch als Kommentar auf die unerfreuliche Entwicklung verstanden werden, dass der Kommunikationsgeschichte trotz eines wachsenden Angebots und Interesses an medien- und kommunikationsgeschichtlichen Veröffentlichungen, Lehrveranstaltungen und Tagungen zumindest im deutschsprachigen Raum durch Stellenstreichungen eine institutionelle Marginalisierung droht – während im angloamerikanischen Sprachraum zeitgleich eine gegenläufige Entwicklung beobachtet werden kann. Dass die Kommunikationsgeschichte angesichts ihrer prinzipiellen interdisziplinären Orientierung und ihrer inhaltlichen Ausrichtung auf sozial, kulturell, juristisch und nicht zuletzt auch technologisch relevante Themenfelder eine stärkere wissenschaftspolitische Beachtung rechtfertigt, kann als Fazit dieses erfreulich innovativen Bandes den weiteren Ausführungen zu seinen Inhalten und seiner Struktur vorangestellt werden.

Falastin

Falastin

falastinIch habe nichts mehr auf der Welt als meine Wut

Um es gleich zu sagen: Dieses Buch nimmt seine Kraft aus der gewaltigen Sprache mit der Hubert Haddad es schafft, eine großartige Geschichte noch größer zu machen, über den Plot hinauszuheben und auf ein Niveau zu erhöhen, welches beiden – dem Schriftsteller und seinem Roman – Eingang in den Kanon der internationalen Literautur auf Dauern sichern werden.

Hubert Haddad ist ein Schriftsteller, der sich, gemeinsam mit einigen, leider wenigen, anderen aus der großen Menge der reinen Plot-Schreiber erhebt. Kollegen wie er sind es, die in der Lage sind die Hochliteratur auf ihrem Gleis zu halten. Sie tun es mit jener Leichtigkeit, die nötig ist um dem Leser sowohl das Abtauchen in das Lesen zu ermöglichen, als ihm auch die Freude darüber zu schenken, dass Sprache mehr ist, als nur ein Medium der einfachen Kommunikation.

Leben im Luxus

Leben im Luxus

Ohne Wörter Im Mitteldeutschen Verlag ist ein Kurzgeschichtenband der Fotokünstlerin Ricoh Gerbl erschienen. Die Stories haben allesamt gute Plots, jedoch: Die Sprache, über welche die Fotografin verfügt, reicht nicht, den Inhalt auch darzustellen. Ständig wiederholen sich Wortschindereien, werden falsche Bilder an die literarischen Wände gehängt, wird durch die Wiederholung von Einschüben versucht, dem Inhalt mehr […]

Call for Papers

Call for Papers

Die Stirner-Rezeption im Werke Ret Maruts / B. Travens

Prof. Dr. Gerhard Bauer (Berlin), Dr. Christoph Ludszuweit (Berlin), Maurice Schuhmann (Berlin) in Kooperation mit der Internationalen B. Traven Gesellschaft e.V. (IBT) und der Max Stirner-Gesellschaft e.V.  (MSG)
02.10.-04.10.2009, Clubhaus der FU Berlin
Deadline: 2. Juni 2009

Inhaltliches Konzept

Prof. Dr. Gerhard Bauer, emeritierter Professor für Germanistik an der FU Berlin, Maurice Schuhmann, Lehrbeauftragter am Fachbereich Politikwissenschaft an der FU Berlin und Dr. Christoph Ludszuweit, ehemaliger Lektor der DAAD, beabsichtigen, mit Unterstützung der  Max Stirner Gesellschaft e. V. (MSG) und der Internationalen B. Traven Gesellschaft e. V. (IBTG) anlässlich des 40. Todesjahres von Ret Marut / B. Traven ein interdisziplinäres Symposion zum Thema „Die Stirner-Rezeption im Werke Ret Maruts / B. Travens“  im Clubhaus der Freien Universität Berlin durchzuführen.

Indien von innen

Indien von innen

indienvoninnen_02Einladung zum Mitstaunen – Rezension

Bei Bildbänden in Kombination mit Text bin ich immer etwas skeptisch, neigen sie – vor allem in Verflechtung mit Lyrik – häufig dazu, das Visuelle zu überfrachten und die Sprache zum Statisten zu degradieren. Positiv überrascht hat mich darum Rainer Thielmanns schöner Bildband, der den Bildern unaufdringlichen Raum zuweist; Raum vor allem für die Phantasie des Betrachters. Statt sich in den Fotografien zu verlieren, folgt man dem Text, der auch graphisch dominiert, und erfährt die mit großer Feinheit und Bedacht ausgewählten Fotos als zusätzliche Dimension der Gedichte.

Thielmann bereiste Indien und hat eine wahre Fundgrube von Eindrücken mitgebracht, die plastisch in diesem Buch widergespiegelt werden. Sowohl Thielmanns Lyrik als auch seine Fotos offenbaren das Land am Ganges auf vielfältige Weise, laden zu einer Reise ein, die dank sehr guter Konzeption leicht fällt, ohne oberflächlich zu sein. Und jene, die schon einmal in Indien waren, entführt das Buch sofort wieder dorthin.

Christa Wolf

Christa Wolf

thumb_christa_wolf_2007

Geburts- und Todestag

Christa Wolf wurde heute achtzig Jahre alt und es ist, neben den Glückwünschen, die ich ihr gerne übermittel, ganz unnötig, den Lobpreisungen, Kritiken, richtigen und falschen Einordnungen, den Vereinnahmungen und Fernhaltungen einen weiteren Artikel zuordnen zu wollen. Christa Wolf gehört zu den, leider, wenigen Autoren, die es geschafft haben auch in der Liederlichkeit bourgoiser Literaturlandschaften, wie jener der Bundesrepublik erhalten zu bleiben, obwohl sie aus der DDR stammt und in ihren Positionen nicht zu jener unkritischen Haltung, zu jener pathologischen Verinnerlichung gefunden hat, die den Erhalt für manchen anderen erst möglich machten. Christa Wolf ist deshalb und nicht nur wegen ihrer verdienten literarischen Erfolge und ihrem Anteil an der Rettung der Sprache vor dem Plot, von existentieller Wichtigkeit für die deutsche Literatur.

Wenn jemand mit einer solchen, nicht nur inländischen Bedeutung
Geburtstag hat, gehen andere Daten verloren. Ich will deshalb am
Geburtstag Christa Wolfs an den Todestag von Hamza Hakimzoda Niyoziy

Kulturmaschinen Leipziger Buchmesse

Kulturmaschinen Leipziger Buchmesse

plakatkulturmaschinenEine couragierte  Verlagsmutter

Eine Verlagsneugründung scheint so gar nicht zur aktuellen Krise und den immer neuen Hiobsbotschaften zu passen. Der Verlag Kulturmaschinen aus Berlin setzt ein Zeichen gegen die vielen Kassandrarufe und präsentiert sich erstmals auf der Leipziger Buchmesse (Halle 4, Stand C210).

Ein erlesenes erstes Programm zeitloser Literatur macht den Auftakt. Unter den sechs Titeln finden sich junge Talente wie Barbara Gresslehner, die in ihrem aufsehenerregenden Debüt von Lustmorden und manischen Zuständen schreibt, oder der Lyriker Robert Zobel mit seinen gierigen, leidenschaftlichen Gedichten. Im Programm findet sich aber ein Buch des international bekannten Schriftstellers Peter Abraham, des vielleicht bedeutendsten Kinder- und Jugendbuch-Autors der DDR. Mit "Kuckucksbrut" betritt er ein völlig neues Terrain. In "Homo Clausus" erzählt Leander Sukov die Novelle eines Eingeschlossenen. Von ihm sind auch zwei Lyrikbände erschienen.

Hollow Skai: Punk

Hollow Skai: Punk

thumb_hollowskai_lNoFuture war gestern

In der wissenschaftlichen Reihe vom Archiv der Jugendkulturen wurde nun die Magisterarbeit von Hollow Skai aus dem Jahre 1979 wiederaufgelegt. Hollow Skai, der das legendäre Punkrocklabel „No Fun“ sowie das gleichnamige Fanzine herausbrachte, hat sich zu diesem recht frühen Zeitpunkt versucht dem Phänomenen Punk zu nähern.

Erstaunlich ist, wieviele Themenkomplexe davon auch heute noch debattiert werden – z.B. Sexismus in der Szene -, die damals schon ein Thema waren. In erster Linie ist die Arbeit als Zeitdokument sehr spannend zu lesen. Wie schreibt (und reflektiert) ein Germanist und Politikwissenschaft über Punk im Jahre 1979, zu einem Zeitpunkt, da er selber Teil der Bewegung ist. Aus heutiger Sicht ist vieles – trotz der Überschneidungen mit den heutigen Debatten – bereits bekannt und abgegessen.

Spielarten der Lust

Spielarten der Lust

thumb_maischingerEine Empfehlung für Ihre Sexualität

…und noch ein Ratgeber für das menschheitsbewegende Thema Sexualität? Haben wir nicht schon genügend – angefangen vom „Kama Sutra“, über „Joy auf Sex“ bis hin „Orgien für Anfänger“?
Anscheinend nicht – und das hängt mit der Ausrichtung selbiger zusammen. Silke Maschiner, Erotikcoach und Mitveranstalterin der Talkshow „Erotischer Salon“ wärmt nicht zum xten Mal die Aufzählung von Praktiken für erfüllteres Sexualleben auf.


In den thematisch sortierten Kapiteln bietet sie einen Einblick in diverse Bereiche von gesellschaftlich z.T. immer noch argwöhnisch beäugter Couleur (Pornographie, S/M, Swinger, Asexuelle, Bisexualität), die sich aus Interviews mit Angehörigen und Akteuren der jeweiligen Bereiche. Diese Kapitel sind informativ ohne in diesen stupiden Exhibitionismus zu verfallen, der bei solchen Berichten immer wieder hineinspielt.

Der Afrikaner

Der Afrikaner

Reise in Zeit und Raum Großartig, also dem Buch Jean Marie Gustave le Clezios entsprechend, kommt „Der Afrikaner“ aus den Boxen. Die Stimme, die mich da über 186 Minuten gefangen nahm, gehört Michael Krüger. Und er schafft es mit jeweils leichten Nuancen seine Version von Einsamkeit und Verlorensein herzustellen, die diesem Erinnerungswerk inne wohnt. Clezios […]

Effi Briest – Hörspiel

Effi Briest – Hörspiel

Als das Radio noch nicht stören wollte Als Beispiel für eine ätherische, also nervige Hörspielregie darf die Rundfunkproduktion gelten, die vom Hörverlag nun auf CD erschienen ist. Mit guten Sprecherinnen und Sprechern wurde eine Fassung des fontanschen Stückes geliefert, die alles vom Zuhörer fordert, was der an Aufmerksamkeit und absolutem Stillsein hinlegen kann. Es säuselt […]

Die Geschwister Oppermann

Die Geschwister Oppermann

thumb_oppermannDer alltägliche Faschismus

Lion Feuchtwanger, 1884 bis 1957, gehört zu den deutschen Schriftstellern, die zwar im Gedächtnis literarischer Kreise unvergessen sind, aber nicht zum bekannten zeitgegenwärtigen Kanon der deutschen Literatur gehören. Im Gegensatz zu Thomas Mann, beispielsweise, ist es nicht gelungen, Feuchtwanger dem Fundament auch der gegenwärtigen Literatur zuzustellen. Das ist bedauerlich. Denn fraglos ist Lion Feuchtwanger eines der Gestirne, um die sich eine aufklärerische Literatur zu drehen hätte.
Feuchtwanger, der Meister der Charakterisierung, leidet möglicherweise allerdings auch daran, dass seine Art zu schreiben nicht jene Kompliziertheit aufweist, die nötig wäre, das versammelte Bildungsbürgertum dazu zu veranlassen, sich ihn auf den Schild zu heben. Möglicherweise aber ist auch die geringe Zahl von Theaterstücken – zwei hat er geschrieben – verantwortlich dafür.
Lediglich „Jud Süß“ wird, bedauerlicherweise jedoch aufgrund einer Verwechselung, als allgemein bekannt bezeichnet werden können. Feuchtwangers „Jud Süß“ hat selbstverständlich nichts mit dem Veit-Harlan-Film gemeinsam, also mit jenem unsäglichen faschistischen Machwerk; weder den Inhalt, noch die Richtung.

Proudhon wird 200 (aber nicht alt!)

Proudhon wird 200 (aber nicht alt!)

thumb_proudhonDer Vater der Anarchie

Pünktlich, kurz vor dem 200. Geburtstag des französischen Anarchisten Pierre-Joseph Proudhon (1809-1865), ist beim Lit-Verlag die deutsche Übersetzung seines letzten Werkes – „Von der Befähigung arbeitender Menschen zur Politik“ – erschienen.

Er hat es 1864 – knapp 25 Jahre nach dem Erscheinen seiner berühmten Abhandlung „Was ist das Eigentum?“ – verfaßt und in ihm seine über die Jahre gereiften Vorstellungen von einer gerechten Gesellschaftsordnung dargelegt. Zu diesem Zeitpunkt kann er bereits auf eine Anzahl von Schriften (und deren Übersetzungen in andere Sprachen) sowie praktische Erfahrungen und Experiemente alternativer Ökonomie wie dem Konzept Tauschbank zurückblicken.

Im Zentrum der vorliegenden Schrift steht bei dem „Vater der Anarchie“,
wie er wegen seiner positiven Umdeutung des Begriffes „Anarchie“ im
Zuge seiner Schrift „Was ist das Eigentum?“ genannt wird, wiederum das
Prinzip des „Mutualismus“, das eng verknüpft ist mit dem ebenfalls von
ihm stark gemachten Begriff der Autonomie und der Dezentralisierung. 
Übersetzt und herausgegeben wurde dieser Band von Lutz Roemheld, der in
der gleichen Reihe bereits vor vier Jahren den Sammelband „Erinnerung
an P.-J. Proudhon“ (ISBN: 978-3825882926) herausgegeben hat. 

Weltquell des gelebten Wahnsinns

Weltquell des gelebten Wahnsinns

thumb_henryglassbuchBesoffene Esel und die Gasdynamik des Darms

Ich lernte Henry Glass, den genialen, skurilen Journalisten und ausgesprochen netten Menschen in unserer gemeinsamen Stammtränke in Hamburg kennen, der "Zwiebel". Während ich mich vorzugsweise an Guinness hielt (in der Zwiebel servierte man es mit unvergleichllich cremigem Schaum), entwickelte Henry ein Getränk, welches nicht nur ich als Henrystutzen bezeichnete: Einen doppelten Whiskey im Wasserglas, aufgefüllt mit H2O. Henry Glass trug gerne Anzüge, die von einer ganz eigenen modischen Anschauung zeugten, eine Brille mit runden Gläsern und im Sommer ordentliche (!) Bermudashorts nebst Hemd und Kravatte. Er war ein englischer Gentleman.Und er war als Gesprächspartner ein nie versiegender Quell von ironischer Nachdenklichkeit. Henry Glass starb im Jahre 2000.

Damit die Freunde und die Fans seiner Artikel ihn weiter im
Lebendigen halten können, hat der Verlag "Kein und Aber" dankenswerter
Weise ein Buch mit wunderbaren Wissenschaftsartikeln herausgebracht,
die es auch – gelesen vom unvergleichlichen Harry Rowohlt – als Hörbuch
gibt. Selbstverständlich handelt es sich dabei nicht um trockenes Zeug,
sondern um sprachliche und inhaltliche Pretiosen über den Alkoholkonsum
von Eseln oder Dublin, die Hauptstadt der Ir(r)en. 

Das weibliche Genie Hannah Arendt

Das weibliche Genie Hannah Arendt

thumb_dasweiblichegenieDie spannende Denkerin

Die jüdische Philosophin und Sozialwissenschaftlerin Hanna Arendt gehört zweifellos zu den spannendsten und auch für die Reflexion der Moderne wichtigsten Denkerinnen des 20. Jahrhunderts.

Sich einer Denkerin wie ihr zu nähern, ohne in unkritische Lobhudelei oder in die klassische Kritik ihres z.T. „unwissenschaftlichen“ Prozesses der Erkenntnisgewinnung zu verfallen fällt schwer. Ihr Denken und Werk bot – und bietet immer noch – viele Aspekte, die Anknüpfungspunkte für Kritik bieten; sei es ihre Formulierung der „Banalität des Bösen“ in bezug auf Eichmann, ihre Analysen über totalitäre Herrschaft oder ihr elitäres, politisches Konzept, welches sich an der griechischen Polis orientiert.

Der in Paris lebenden Psychoanalytikerin Julia Kristeva gelingt es, ein
sehr sachliches Porträt jener Denkerin zu zeichnen, in dem sowohl ihre
philosophischen Leistungen als auch ihre Schattenseiten ihren Platz
finden. Dabei präsentiert sie aber auch einen etwas anders gewichteten
Fokus auf die Philosophie Arendts. 

Keine Zukunft war gestern

Keine Zukunft war gestern

 thumb_keine_zukunft_war_gesternPiPaPunk

Das Kollektiv IG Dreck auf Papier hat in dem vorliegenden Buch den Versuch unternommen, die Geschichte(n) des Punks in Deutschland nachzuzeichnen. Anhand der Aussagen von (ehemaligen) Fanzinemachern, Musikern und anderen Aktivisten aus der Szene wird im ersten Teil chronologisch die Entwicklung nachgezeichnet, wobei u.a. Fabsi („Weser-Label“), Willi Wucher („Pöbel & Gesocks“) und Klaus N. Frick („Peter Punk“) zu Wort kommen. Dieser Abschnitt bietet einen sehr interessanten Einblick in die Entwicklung der Szene – und ist auch das Beste, was das Buch zu bieten hat.


Im Anschluß daran finden sich einzelne Essays und ein paar belanglose Interviews mit ehemaligen (und zum Teil noch aktiven) AktivistInnen.

Topographien der Leere

Topographien der Leere

thumb_topoleereSchreiben und Schrift

Im Zuge seiner Dissertation hat sich Stephan Braun der Frage nach den Topographien der Leere im Werke des Dichterphilosophen Friedrich Nietzsche gewidmet. Sein theoretisches Fundament zur Annäherung an jene Thematik, die er in dem Aspekt „Schreiben und Schrift“ verortet, basiert auf den Arbeiten von den beiden französischen Denkern Roland Barthes und Gilles Deleuze. Er balanciert dabei geschickt zwischen den Disziplinen der Philosophie und der Literaturwissenschaft.

Der Schrift kommt dabei der Prozeß der Eroberung (und somit die Ausfüllung) der Leere zu; der Akt des Schreibens als Akt der Inbesitznahme ist dabei auch der Fokus von Brauns Studie. Durch diese Fokussierung ist eine topographische Bestimmung dieser
Leere überhaupt erst möglich. Über sechs Kapitel erschließt er den
Forschungsgegenstand programmatisch von unterschiedlichen Aspekten aus
– vom Akt („Schreiben der Schrift“) bis zur Tier-Metaphorik wie dem
„weißen Stier“, den er auch als den Prozeß des Schreibens decodiert.

Jürgen Flimm wird Intendant der Staatsoper Unter den Linden

Jürgen Flimm wird Intendant der Staatsoper Unter den Linden

thumb_berlin_staatsoper_unter_den_linden_2003Große Namen unter Linden

Jürgen Flimm übernimmt zum 1. September 2010 die Leitung der Staatsoper Unter den Linden. Das gab der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, heute bekannt.
 
Der Intendantenvertrag von Jürgen Flimm hat eine Laufzeit von 5 Jahren und umfasst damit die 2010 beginnende Phase der Sanierung, die dreijährige Spielzeit in der Ersatzspielstätte Schiller Theater und die feierliche Wiedereröffnung der Staatsoper Unter den Linden zur Saison 2013/14. Jürgen Flimm wird der Staatsoper bereits ab 1. Januar 2009 beratend zur Verfügung stehen und gemeinsam mit dem derzeitigen kommissarischen Intendanten, Ronald H. Adler, die Zukunft des Hauses planen und mitgestalten.

111 Gründe SM zu lieben

111 Gründe SM zu lieben

thumb_111gruendesmzuliebencoverherbst2008Wer will das lesen?

Das Jahr 2008 scheint das Jahr der BDSM und Swinger-Subkultur zu sein. Eine regelrechte Flut von überflüssigen Büchern, die meistens einen voyeuristischen Blick hinter die Kulissen versprechen, überschwemmte den Buchmarkt. Das neueste stammt aus der Feder von Cornelia Jönsson. Sie zählt in ihrem „Sachbuch“ 111 Gründe auf, warum man S/M gut finden kann – mir würde ein Argument reichen, um einen Verriss davon zu schreiben.

Die erste Frage, die sich bei der Lektüre stellt, lautet: Wer will das lesen? Streckenweise fühlt man sich versucht, dieses Buch in die lange Tradition der Bekenntnissliteratur einzuordnen, die mit Rousseau ihren Anfang nahmen und sich auch in der klassischen BDSM-Literatur von Sacher-Masoch über Sina Alin-Geißler und ihren Nachkommen findet. Es wirkt wie eine Rechtfertigung für das eigene Tun, was in der BDSM-Subkultur ja nicht unüblich ist. Andere Passagen wiederum erinnern an die Tupper-Party-Propaganda-Mentalität, die in der Szene vorherrscht. Smler neigen schliesslich dazu, sich häufig als etwas Elitäres zu verstehen.

Ein Mann für die Akademie

Ein Mann für die Akademie

thumb_bild183-r98911Akademie der Künste erwirbt wertvolle Ergänzung zum Heinrich-Mann-Archiv
 
Aus privater Hand erhielt die Akademie der Künste einen der Öffentlichkeit bisher nicht bekannten Teil des Nachlasses von Heinrich Mann. Nach dem Auffinden eines umfangreichen Teilnachlasses in Prag im Jahre 2002 schließen die jetzt aufgetauchten Dokumente weitere Lücken in der Heinrich-Mann-Forschung und geben Aufschlüsse über biographische Details. Das Konvolut umfasst zwei Manuskripte, 16 Briefe von Heinrich Mann und 91 an ihn gerichtete Briefe (u.a. von Alfred Döblin, Roger Martin du Gard, Thomas Mann, Ludwig Marcuse) sowie persönliche Dokumente und Fotos.
 
Am bedeutendsten sind 48 Briefe des französischen Germanisten Félix
Bertaux an Heinrich Mann aus den Jahren 1922 bis 1928. Die
Dokumentation des wohl wichtigsten geistigen Austausches, den Heinrich
Mann über 26 Jahre hindurch führte, wird damit signifikant erweitert.

Frühling und so

Frühling und so

thumb_fruehlingundsoanais1_158Badewannenstöpsel

Um den Debütroman „Frühling und so“ von Rebecca Martin als lesbar zu empfinden, muss man entweder im Alter von 13, 14 sein und noch mit hochrotem Kopf die Rubrik „Sex, Liebe und Zärtlichkeit“ in der Bravo lesen können, einen ausgeprägten Lolitafetisch für pubertierende Biester haben oder muss zumindest sich noch in einen solchen Zustand zurückversetzen können. Bei mir trifft leider nichts davon zu.

Seicht – lediglich von einigen belustigenden Stilblüten unterbrochen („Der Sex ist wie der Badewannstöpsel, um alle Lust wieder entweichen zu lassen.“, S. 108 ) – plätschert die Geschichte von ihrer Protagonistin Raquel daher – zwischen Yogitee, gelegentlichem Sex und harmlosen Teenieparties. Sie berichtet oberflächlich über ihre erste Liebe, den ersten sexuellen Kontakt und sehr ausführlich über ihre kulinarischen Vorlieben. „Ich weiss nicht, wonach ich suche. Aaron hält meinen Kopf in seinen beiden Händen, stöhnt leise. Ich blase ihm einen, mein Kiefer schmerzt, und ich frage mich, was ich überhaupt hier unten suche.“ (S. 151). Solche Passagen sind weder besonders erotisch, noch besitzen sie in der heutigen Zeit einen schockierenden Aspekt.

Einigung über Urhebervergütungen im Reprobereich

Einigung über Urhebervergütungen im Reprobereich

Abgaben auf Hardware München, 10.12.08 – VG WORT, VG BILD-KUNST und der Bundesverband Informationswirtschaft, elekommunikation und neue Medien (BITKOM) haben sich über die Höhe er Geräteabgabe im Reprographiebereich geeinigt. Nach über einjährigen, zähen Verhandlungen urde heute in Berlin ein Gesamtvertrag unterzeichnet, der die rhebervergütungenfür Multifunktionsgeräte, Drucker, Scanner und Faxgeräte verbindlich regelt.Dieser Gesamtvertrag gilt rückwirkend ab […]

Ist Europa noch zu retten?

Ist Europa noch zu retten?

thumb_1euro_2007Ablehnung ist nicht undemokratisch

Nicht nur in nationalistischen und chauvinistischen Kreisen mehren sich die Stimmen, die Europa ablehnen. Auch unbestritten aufrechte Demokraten lehnen es in seiner jetzigen Verfasstheit ab, halten Europa, wie es ist,  für eine Idee des Kalten Krieges und bezweifeln die Demokratiefähigkeit der Gemeinschaft. Kann man Nationalisten und Chauvinisten noch in die Ecke stellen, in die menschenverachtende Ideologien dieser Art gehören, so wird es bei linksliberalen und radikalen Demokraten schon schwieriger, die Argumente vom Tisch zu wischen.
Die Ablehnung der „europäischen Verfassung“ durch die irischen Bevölkerung macht deutlich, dass es offenbar Vorbehalte gegen den Vereinigungsprozess gibt. Und die Ablehnung wurde maßgeblich von demokratischen Parteien und Organisationen getragen.

Kultur Macht Sinn

Kultur Macht Sinn

thumb_kulturmachtsinnGut verständlich

Die Arbeit „Kultur Macht Sinn“ von Prof. Dr. Max Fuchs, der amtierende Vorsitzende des Deutschen Kulturrates, füllt eine Lücke im Bereich der Kulturpolitik und -pädagogik – nämlich die einer gut verständlichen und breitgefächerten Einführung in die Kulturtheorie.

Anhand von zehn Kapiteln nähert er sich der Kulturtheorie anhand des Kulturbegriffes, in denen er die wichtigsten Zugänge zum Kulturdiskurs unterschiedlicher Disziplinen (Cultural Studies, Soziologie, politische Philosophie u.a.) unter dem Fokus der jeweiligen Bedeutung für Kulturpädagogik und –politik, die sich interdisziplinär aus diesen Disziplinen speisen, beleuchtet.

Das Vampirbuch

Das Vampirbuch

thumb_vampirbuchFakten zu Spitzzahnern

Der Buchmarkt ist überflutet von Büchern über Vampire – von literarischen Texten bis hin zu (pseudo-)wissenschaftlichen Traktaten. Ungebrochen erscheint der Mythos, des blutsaugenden Wiedergängers und seiner Gefährten. Aus der Masse von Veröffentlichungen über den Thema Vampirmythos sticht die von Ditte und Giovanni Bandini geschriebene Studie heraus.

Nüchtern und zugleich aber sehr flüssig geschrieben beleuchten sie unterschiedliche Mythen, die im Zusammenhang mit der Gestalt des Vampirs stehen, und deren Wandel. Dabei beweisen sie den Blick für das Wesentliche und überfrachten den Leser nicht mit Fakten, zeigen aber eine Reihe von Zusammenhängen auf – sei es der Mythos vom Blut (Stichwort „Blutbrüderschaft“, christlicher Mythos vom Blut Christi, volkstümlicher Glauben) oder die Verwandtschaft zu anderen Fabelwesen (Feen, Hexen Werwölfen).

Der spanische Bürgerkrieg

Der spanische Bürgerkrieg

thumb_grahamSalopper Umgang

Aus einer feministischen Perspektive hat die Historikerin Helen Graham den Versuch unternommen, eine Einführung in die Thematik des spanischen Bürgerkrieges zu schreiben. Sie sticht aufgrund ihrer Perspektive positiv aus der  Masse von meist aus männlicher Perspektive verfaßten Arbeiten zu jener Thematik heraus.

Dies zeigt sich in ihrer Fokussierung auf Minderheiten im spanischen Bürgerkrieg und befördert z.T. sehr spannende Fakten zu Tage – z.B. über die afro-amerikanische Führung des Bataillions der Internationalen Brigaden.

Für Neulinge auf dem Gebiet, an die sich dieses Buch richtet, sind solche Fakten allerdings eher irrelevant. Ebenso sind viele Aspekte, die im Kontext des Bürgerkrieges genannt werden müßten, bei ihr weggefallen.

Gestrandet

Gestrandet

thumb_gestrandetDie Traurigkeit des armen Lebens

Youssouf Amine Elalamy hat ein Buch geschrieben, dessen Sprache – zumindest in der deutschen Übersetzung – gewöhnungsbedürftig ist, wie auch die Art der mosaikartigen Darstellung. Beides jedoch tut dem Lesen keinen Abbruch. Auch, wenn von „Genuss“ zu sprechen dem Inhalt des Buches Unrecht täte. Denn Genuss soll nicht aufkommen. Das Buch eignet sich nicht für gemütliche Leseabende im Ohrensessel bei Rotwein und Käse. Das Buch ist nicht für die Wohnzimmer der allgegenwärtigen Studienratskaste geschrieben. Es ist ein hartes Buch, brutal manchmal, wirklich, und die Wörter brennen.


Zurecht ist es mit dem Prix Grand Atlas Maroc ausgezeichnet; zurecht loben es die Kollegen vom Le Nouvel Observateur. Denn es ist nicht nur ein durchweg literarisches Buch, sondern auch ein wichtiges.

Der König von Mexico

Der König von Mexico

thumb_mexicowimmerStefan Wimmer: Die Neo-Beatgeneration

Stefan Wimmer ist ein Lichtblick in der Literatur. Und ich nehme absichtlich keine regionale Abgrenzung vor, denn Wimmer gehört, wenn er die Kraft, den Aufbau und die Lockerheit seines Romanes „König von Mexico“ auch bei kommenden Werken beibehält., auch international zur ersten Garnitur. 

„König von Mexico“ ist ohne Frage der Roman einer neuen Beatgeneration und steht tatsächlich in guter Tradition zu William S. Burroughs mehr noch aber zu Jack Kerouac. Und in der Tat ist auch der „König“ on the road.

Der König säuft, kokst und vögelt sich durch Mexico, er versickert verzweifelt in deutschen Redaktionsstuben, er spricht mit seinem Duschkopf (und selten habe ich die Wirkung von halluzinogenen Pilzen so schön beschrieben gelesen) und kulminiert seinen Roman in einen ebenso hinterhältigen, wie wunderbaren Schluss. Dabei gelingt es ihm, seinen Protagonisten vielschichtig zu charakterisieren und auch die anderen Personen, welche diesen auf seinem Weg begleiten, sind nicht nur gut durchgezeichnet, sondern beginnen zu leben.

Parousia. Angekommen in der Freiheit

Parousia. Angekommen in der Freiheit

thumb_oppohansenFreiheitsphilosophie vom Stammtisch

Lesern der kleinen individualanarchistischen Zeitschrift „Espero“ ist der Name des Autors Karl-August Hansen mittlerweile ein Begriff. Unermüdlich predigt der knapp 80jährige Liberale für seine politischen Ideale, die sich auch in den Zielen der Föderalistischen Partei Deutschlands (http://www.foedpd.de/) und seiner Nähe zur marktradikalen Ideologie des anarchokapitalismus wiederfinden.

In seinem Roman „Parousia. Angekommen in der Freiheit“ versucht er diese Ideale in literarischer Form zu verbreiten. In einen langweiligen Plot einer platten Liebesgeschichte eines friesischen Jungen und einer Kurdin, die sich durch eine Anreihung von Plattheiten auszeichnet, versucht er in Form der Dialoge seiner Protagonisten seine Gedanken über die ungeheure Höhe von Steuern, der Staatskritik und des Föderalismus zu vermitteln.

Tolstoi: Dichter, Christ, Anarchist

Tolstoi: Dichter, Christ, Anarchist

thumb_leo_tolstoy_1887Keine Würze in der Kürze

Ulrich Klemm hat sich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder durch seine unermüdliche Forschung zu anarchistischen Pädagogikkonzepten – u.a. auch dem Leo Tolstois einen Namen gemacht.

An seinen Texten kommt man nicht vorbei, wenn man sich als deutschsprachiger Rezipient mit jenem Thema beschäftigt – und von den Texten war ich auch immer eine solide und gut recherchierte Aufarbeitung gewöhnt. Die vorliegende Broschüre enttäuscht daher um so mehr.

In acht Kapiteln (sechs davon mit einem konkreten Schwerpunkt) wird
Tolstoi nur schlaglichtartig mit ein paar Impulsen für eine
weitergehende eigene Beschäftigung "auf bereitet". Die sprichwörtliche
Würze der Kürze kommt dabei leider nicht zum tragen. So besteht das
Kapitel über "Tolstoi als Visionär" aus nicht mehr als 25 Zeilen (!). 

Oh, Gott, oh, Gott!

Oh, Gott, oh, Gott!

Tanz den christlichen Gehorsam! Felix Ruckert, in Berlin lebender Tänzer und Choreograph, sorgte mit der Aufführung seines Balletts "Messias Game" bei der Biennale 2007 für Aufregung. Es wurde unter anderem das Verbot der Aufführung sowie die Exkommunikation aller Beteiligten gefordert. Forderungen dieser Art kamen von der Lega Nord und der Katholischen Kirche. Die Taz zitiert: […]

Justine & Juliette als Sexobjekte

Justine & Juliette als Sexobjekte

Die Handlung spielt keine Rolle Das berühmte Schwesternpaar Justine und Juliette, anhand derer Dichotomie der französische Schriftsteller und Philosophie Marquis de Sade in eingängiger Form seine Philosophie der absoluten Freiheit des Individuums beruhend auf einer materialistischen Weltanschauung darlegte, diente bereits des öfteren als Folie für die unterschiedlichsten Formen der Erotika. Vor allem die tugendsame Justine […]