Alban Nikolai Herbst

Alban Nikolai Herbst

thumb_herbst_alban_nikolai_4Die Meere der Neuen Moderne

Um es gleich am Anfang dieses viel zu kurzen Artikels zuzugeben: Ich glaube nicht daran, dass es die Postmoderne gibt. Ich glaube auch nicht an Gespenstererscheinungen, Verschwörungstheorien oder die Endgültigkeit des Kapitalismus. Ich bin ein Optimist. Selbstverständlich ist mir bekannt, dass es in Malerei, Literatur, Philosophie und sogar in den Naturwissenschaften die Eigenbezeichnung „Postmoderne“ in einer geradezu unfassbaren Vielzahl von vernünftigen und unvernünftigen Ansätzen gibt. Manche sind recht lustig, andere eher ärgerlich. Mir erscheint der Begriff „Postmoderne“ eine Übernahme populär-musikalischer Unvernunft in die Wissenschaft und in andere künstlerische Genres zu sein: Der manische Zwang zur Aufteilung.

 

Interventionen: Haben und Nichthaben

Interventionen: Haben und Nichthaben

thumb_582choms_150Chomsky im Doppelpack

Der am MIT lehrende Linguistikprofessor Noam Chomsky gilt seit mehreren Jahrzehnten  mittlerweile als das Flaggschiff der linken, intellektuellen Opposition in den USA, der sich seit den Tagen des Vietnamkrieges immer wieder kritisch zur Lage äußert. Tariq Ali verglich ihn daher im Vorwort zu „Interventionen“ nicht umsonst mit dem britischen Philosophen Bertrand Russel, der ebenso wie er seine Kritik den Politiker ohne falsche Scham ins Gesicht sagte und für Chomsky auch eine wichtige Inspirationsquelle darstellt. Im Gegensatz zu Russel wählt Noam Chomsky vor allem die journalistische Form der Kolumne oder Glosse, um seine Kritik auszudrücken.

Im Zentrum stehen dabei in den vergangenen Jahren vor allem die amerikanische Außenpolitik – vor allem gegenüber Lateinamerika, Israel und dem Irak.

Spieler wie wir

Spieler wie wir

thumb_spielerwiewiranais2Geschickt integriert

Ein großer Teil moderner sadomasochistischer Literatur krankt daran, daß die Autoren (meist sind es Männer) entweder ihre letzte Session nacherzählen oder sich zu mehr oder weniger stark abgewandelten Adoptionen des Klassikers „Geschichte der O“ hinreißen lassen.

Diese Fettnäpfchen umgeht die Autorin Cornelia geschickt. Integriert in einen alltäglichen Plot des Berliner Studentenlebens integriert erzählt die Autorin Cornelia Jönsson in ihrem Debütroman „Spieler wie wir“, der den Auftakt einer Trilogie darstellt, die Geschichte von Paula und Franzi, die in einer gemeinsamen WG in Berlin wohnen und gerade beginnen, ihre sexuellen Vorlieben zu entdecken. Dabei entwirft Jönsson eine komplizierte Dreiecks-Beziehung – ihre Protagonistin unterwirft sich Paula Ann, deren Freund eifersüchtig wird und die auf eine ungesunde Basis hinausläuft.

ZDF amputiert gesunden Arm

ZDF amputiert gesunden Arm

Zur Entlassung Elke Heidenreichs Das ZDF amputiert sich den gesunden Arm; will sagen, den gesunden Geist, der wider die Senderpolitik gelöckt hat. Aber natürlich wird man den Wundbrand des trivialen Rentnerfernsehens nicht los, wenn man abschneidet, was gesund ist. Andererseits macht, und auch das ist ein Verdienst, der Rauswurf Heidenreichs deutlich, wie sich der Organismus […]

Anarchismus und Fiktion

Anarchismus und Fiktion

thumb_seyferth1Die Bedeutung utopischen Denkens

Die amerikanische Schriftstellerin Ursula K. Le Guin läßt sich ohne weiteres als die Grande Dame des SF-Romans titulieren. Für ihre Romane und Erzählungen, die nicht nur unter den eingefleischten Fans des Genres verbreitet sind, hat sie bereits eine Reihe von Auszeichnungen erhalten. Der Politikwissenschaftler Peter Seyferth hat die politische Philosophie, die in ihren Romanen eine bedeutende Rolle spielt, unter dem Aspekt der Zugehörigkeit zum Genre der Utopie untersucht. Dabei bilden der Anarchismus – vorrangig der Bezug auf Peter Kropotkin und Paul Goodman, der Feminismus und die philosophische Ebene des Taoismus die Grundlage, aus der sich die Gesellschaftsutopien der Autorin speisen, wie er in seiner Arbeit stringent aufzeigt.

Die Unruhestifter

Die Unruhestifter

thumb_fau.200pxFAU. Die ersten 30 Jahre.
 
Das Lesebuch zu den ersten 30 Jahren der FAU (1977-2007)
 
Als im Jahre 2004 eine Welle von Montagsdemonstrationen gegen die sogenannte Agenda 2010 und die unsozialen Hartz-Gesetze die Republik aufrüttelte, war in den bürgerlichen Massenmedien immer wieder von einer Organisation die Rede, die angeblich »Unfrieden stiften« würde. Der Name dieser Unruhestifter lautete: FAU. Was verbirgt sich hinter diesen drei Buchstaben?
 
Ganz einfach eine wenig bekannte und kleine Basisgewerkschaft, deren Geschichte und Gegenwart in diesem Buch kenntnisreich und illustriert dargestellt wird: Was 1977 unter dem Namen Initiative Freie Arbeiter Union (I-FAU) als verwegenes, ja fast aussichtsloses Unterfangen begann, entwickelte sich in der Folge zur einzigen libertären Organisation in der BRD, die heute noch bundesweit aktiv ist.

Gegen Tarifflucht

Gegen Tarifflucht

ver.di und Orchestervereinigung wehren sich gegen Tarifflucht In der Auseinandersetzung mit dem Deutschen Bühnenverein (DBV) um eine Anpassungsklausel der Musikergehälter an den öffentlichen Dienst unterstützt die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) die Deutsche Orchestervereinigung. ver.di fordere von der Arbeitgeberseite ein Ende der Tarifflucht und die Gleichbehandlung aller Musiker, sagte der stellvertretende ver.di-Vorsitzende Frank Werneke am Mittwoch. Etwa […]

Paradise lost

Paradise lost

thumb_487px-william_blake_005Das verlorene Paradies

Neu aufgelegt hat der Reclam-Verlag "Paradise Lost" von John Milton. Es ist die kongeniale Übersetzung Hans Heinrich Meiers aus dem Jahre 1968. Sie bewegt sich, mehr als die anderen mir bekannten Übertragungen, am Versmaß Miltons mit einer gradiosen Leichtigkeit, bedarf keiner dichterischen Knüppeleien, sondern bringt den heroischen englischen Vers auch dem deutschsprachigen Leser ohne Verdrehungen und Fehler nahe.

Miltons Verlorenes Paradies ist ein Werk von, nicht nur, literaturhistorischem Gewicht. Wie kaum eine andere abendländische Großdichtung der Neuzeit, hat es auf vielen Ebenen epochemachend gewirkt. Ihre philosophisch-religiösen Sichten waren dabei von ebensolcher Durchschlagskraft, wie ihre, wenn man so will, vers-politische.

Der Harem.

Der Harem.

thumb_harembuchVerklärte Bilder wilder Orgien

Seit jeher beflügelt die (europäische) Vorstellung vom orientalischen Harem die erotischen Phantasien von Schriftstellern. Vor dem innere Augen des unbedarften europäischen Mannes tauchen Bilder von wilden Orgien, die immer wieder in der erotischen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts ihren Widerhall finden, und sinnliche Liebesaffären auf.
Der promovierte Literaturwissenschaftler und Autor Peter Prange und die promovierte Orientalistin Agnes Imhof haben sich dem Mythos des Harems über eine Auswahl von Literatur angenähert. 16 Auszüge aus Erzählungen, die jeweils von Agnes Imhof mit einer Einleitung versehen wurden, finden sich in dem Sammelband und verdeutlichen die Bandbreite zwischen romantisch-verklärter Sicht des Harems und der ins pornographisch  abzugleiten drohenden männlichen Phantasie.

Happy Bissday

Happy Bissday

thumb_21096Postmoderne Vampire

Seit den 70er Jahren hat die postmoderne Beliebigkeit auch im Vampir-Genre ausgebreitet – nicht unbedingt zur Freude von Fans des klassischen Genres. Beim gemeinsamen Kampf von Vampiren und Menschen gegen das Böse oder die Anreicherung des Plots durch die Einbeziehung anderer Fantasie- und Märchengestalten kann man als traditioneller Fan nur mit dem Kopf schütteln. Auch in der vorliegenden Sammlung „Happy Bissday“, in der sich Autoren Stories rund um die Verbindung von Vampirismus und Geburtstagen, d.h. letztendlich eine Verbindung der Pole „Leben“ und „Tod“.

Warum husten Menschen im Theater?

Warum husten Menschen im Theater?

An der leisesten Stelle fängt es an. Meisten aus den hinteren Reihen. Dann folgt jemand vorne rechts. Danach wieder hinten und dann links neben Ihnen. Jetzt sind Sie dran. Dann wird es auf der Bühne lauter und das Husten ist vorbei. Jedenfalls bis zur nächsten leisen Stelle. Da geht es wieder los. Diesmal hinten links, […]

2. Runde Hungerlöhne

2. Runde Hungerlöhne

Tarifverhandlungen für Zeitungsredaktionen gehen in die zweite Runde   Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di hat vor der zweiten Verhandlungsrunde ihre Forderung nach höheren Gehältern und Honoraren für Zeitungsredakteurinnen und -redakteure sowie für freie Journalisten bekräftigt. "Von den Zeitungsverlegern erwarten wir und unsere Kolleginnen und Kollegen in den Redaktionen ein konkretes Angebot für […]

Klassenkampf: amerikanisch

Klassenkampf: amerikanisch

cover_crossing-webCrossing the Border

Das gemeinsame Werk von Justin Akers
Chacón und Mike Davis thematisiert die Migration – im zweiten Teil
explizit die lateinamerikanische Migration am Beispiel Mexiko – und
deren Zusammenhang mit dem Klassenkampf. Dabei richtet sich der Fokus
des marxistischen Soziologen Mike Davis auf die Gewalt, die sowohl
von privater als auch staatlich institutioneller Seite gegen die
MigranntInnen ausgeübt wurde (z.B. die Pinkteron Agentur, Ku Klux
Klan) und zeichnet die unterschiedlichen Wellen dieser Gewalt nach.

Sex sells

Sex sells

thumb_7124570_7124570_xlSchlüpfrig

„Sex sells…“ ist eine alte und
bewährte Weisheit. Der Markt ist mittlerweile voll mit z.T.
schlüpfrigen oder sich seriös gebärdenden Ratgebern für besseren
Sex allein, zu zweit, zu dritt.. Gern gesehen werden in den letzten
Jahren auch die Ratgeber für sexuelle Subkulturen jenseits der
heteronormativen Blümchensexualität – Swinger, BDSMler und
Cybersex sind der derzeitige Hype, von dem wohl auch Sabine und Wolf
Deunan hoffen zu profitieren. Ihr Machwerk „Ein bisschen härter
ist viel besser“, was vom verlag auch noch als „Das ultimative
Einsteigerbuch für Paare!“ beworben wird, richtet sich an Pärchen,
die sich zum ersten Mal an das Thema BDSM heranwagen. Dabei
verspricht das Inhaltsverzeichnis einen praxisnahes Einsteigerbuch
mit grundlegenden Informationen von Standardknoten für’s Bondage,
Spanking-Tipps und Hinweise über Rollenspiele.

Strudl! Hof!

Strudl! Hof!

Die Strudlhofstiege Heimito von Doderer (1896 bis 1966) hatte es faustdick hinter den Ohren. Soviel ist sicher. Ohne tiefgreifende Emotionen schildert uns "Die Strudlhofstiege" Begegnungen von Menschen in einer Spanne von 15 Jahren. Obwohl Doderer ein – allerdings bald auf Distanz gehendes – Mitglied der NSDAP und obendrein auch noch Katholik war, merkt man nichts […]

Jüdische Kultur

Jüdische Kultur

thumb_m-01452-covergross-20080228-121354Jüdische Hochschullehrer 1870 – 1924

Andreas D. Ebert, Direktor der Klinikfür Gynäkologie und Geburtsmedizin des Vivantes Humboldt-Klinikums in Berlin, hat mit der vorliegenden Studie einen wichtigen Beitrag für die Erforschung deutscher Universitätsgeschichte geleistet. Anhand einer quantitativen Untersuchung des Anteils von jüdischen Hochschullehrern (d.h.: Privatdozenten, Extrordinarien und Professoren) in den drei klassischen, weltlichen Fakultäten – Medizin, Philosophie und Jura – zeichnet er indirekt auch eine Entwicklung des deutschen Antisemitismus nach.

 Seine Studie liefert mit ihren Ergebnissen interessante Anknüpfungspunkte für eine nähere Erforschung einzelner Universitätsstädte und des Antisemitismus ihres Hochschullehrerkollegs. Dabei dienen ihm auch die Relation zum jüdischen Bevölkerungsanteil sowie die Relationen der Vertreter der christlichen Konfessionen eine Bezugsgröße.

"Madonna" ist "Buch des Jahres 2007

"Madonna" ist "Buch des Jahres 2007

Christopher Eckers Roman "Madonna" ist "Buch des Jahres 2007 Eine unabhängige Jury hat den Roman "Madonna" des 1967 in Saarbrücken geborenen Autors Christopher Ecker zum "Buch des Jahres 2007" gekürt. Der mit 1.500 Euro dotierte Preis wird jährlich vom Förderkreis deutscher Schriftsteller in Rheinland-Pfalz e.V., dem Verband deutscher Schriftsteller in Rheinland-Pfalz sowie dem Verband deutscher […]

Das Leid des Alters in New York

Das Leid des Alters in New York

Philip Roth: Exit Goth auf Hör-CD ist ein Ereignis Roth ist ein Autor, dessen zurückhaltende, niemals mit Taschenspielertricks dramatisierte Schreibkunst einen Meilenstein der US-amerikanischen Literatur darstellt. Er ist – wenn ich so sagen darf – das gleichgewichtige Kontergewicht zu Hemingway oder Bukowski, zum Beispiel. Er hat es verstanden, eine eigene Traditionslinie zu schaffen. In Exit […]

Bück Dich, hier kommt die Kunst

Bück Dich, hier kommt die Kunst

thumb_henry_rollins_microphoneHenry Rollins: Eye Scream

Henry Rollins dürfte den meisten als Crossover-Musiker bekannt sein. Dabei sind seine literarischen Werke nicht weniger beachtenswert, als seine musikalischen. Eye Screem ist ein Buch, welches aus eine Reihe kurzer Sequenzen besteht und ohne Frage von einer ganz unglaublichen Intensität ist.

Ich empfinde bei Rollins eine große Nähe zur Beat-Generation. Seine klare, direkte und manchmal brutale Sprache schaffen eine Einheit mit dem Beschriebenen. Nie wirkt die Sprache künstlich, unpassend oder aufgesetzt. Eye Screem liest sich schnell, trotz seiner gewichtigen Inhalte. Es liest sich schnell, weil es einem nichts vormacht. Es ist, bei aller Strapaziertheit des Wortes, authentisch. Ein solches Erlebnis von anderer Sprache jenseits der bildungstümelnden, hatte ich zuletzt, als ich mit sechzehn oder siebzehn das erste Mal ein Buch von Bukowski in den Händen hielt: Kraftvoll, boshaft, liebend, zerstörend und zerstört – alles zu gleich.

Sexunddreißig Klassiker

Sexunddreißig Klassiker

thumb_vdfelde-abneigng-0294Klassiker der Sexualwissenschaft

Der Kulturwissenschaftler und freie Publizist Pascal Pfitzenmaier hat für das Projekt Gutenberg unter wissenschaftlicher Beratung von PD Dr. med. Peer Briken eine Zusammenstellung von 36 Klassikern der Sexualwissenschaft erstellt und minimal editiert. Eine sehr löbliche Angelegenheit, da viele Titel in den gängigen Bibliotheken häufig mit dem Vermerk „Kriegsverlust möglich“ im jeweiligen Katalog auftauchen.

 Ausgehend von der 1886 erstmals publizierten „Psychopathia Sexualis“ über Alfred Adlers „Das Problem der Homosexualität“ bis hin zu van Veldes „Triologie über das eheliche Glück“ reicht die Sammlung, die er in vier Bereiche: Anfänge der Sexualwissenschaft, Entfaltung der Sexualwissenschaft, Sexualität und Fremde sowie Ehe- und Sexualratgeber – einteilt. Neben den Faksimiles der Texte finden sich kurze Inhaltsangaben und eine sehr oberflächliche Einleitung in die Thematik auf der DVD. So wichtig und löblich das Projekt ist, so schnell stößt es aber auch an seine Grenzen.

Das auf den ersten Blick so umfangreich erscheinende Archiv zeigt
für den Kenner bereits nach kurzem Betrachten erhebliche Lücken – z.B.
fehlt Iwan Blochs Studie über das Sexualleben der Engländer u.a.
relevante Texte.

Der Beginn einer Epoche

Der Beginn einer Epoche

573epoch_150Die Situationistische Internationale

Der libertäre Hamburger Verlag hat bereits in den Anfangsjahren seines Bestehens sich durch die Herausgabe der Texte der Situationisten Internationale bemüht und nun in einer Sonderausgabe anläßlich des 40. Jahrestages des Pariser Mais von 1968 eine Auswahl der Texte noch einmal aufgelegt, die zwischen 1958 und 1969 publiziert worden, und die Übersetzungen leicht überarbeitet haben. Es handelt sich um Texte aus den zwei Episoden des Bestehens jener Gruppe, die wie die englische Tageszeitung Times schrieb, „die erste revolutionäre Bewegung des Massenmedien-Zeitalters war“, – sowohl aus der ersten Episode, in der sich die Situationisten vorrangig als eine kultur- und künstlerisch-revolutionäre Bewegung (z.B. mit ihrer Kritik des Urbanismus) verstanden hat, und der politisierten Phase, in der die Gruppe sich u.a. über den 6 Tage-Krieg und den Algerienkrieg äußerte.

Kohle und Sarrazin

Kohle und Sarrazin

thumb_brennende_steinkohle01Leute bringt Kohlen mit!

Der Berliner Senator Sarrazin ist bekannt für seine merkwürdigen (ja, ja, man soll sich das merken!) Ansichten über Kosten und Armut, die Einkaufszettel der Hartz-IV-Opfer und nun für seine Ideen, die Berliner an winterliche Kälte zu gewöhnen. Sozusagen, ein sarrazinscher Abhärtungskurs für die Stadt.

Da nicht nur in den heimischen vier Wänden mit Kälte zu rechnen ist, heißt es sich darauf einzustellen, dass auch die Theater kalt bleiben. Jedenfalls findet Sarrazin Temperaturen von um die 15 Grad für ausreichend hoch – nicht nur zu Hause, nein auch in Büros. Und da wird es nicht ausbleiben, dass in jenen Theatern, in denen die Spitzenpolitiker der Partei der Linken und der SPD nicht verkehren, auch die Temperaturen sinken werden. Denn wo die Kulturförderung schon jetzt mies ist, bleibt nichts für die steigenden Energiekosten.

Offenbar hat Sarrazin einen Hang zur unmittelbaren Zeit nach dem
Zweiten Weltkrieg. Nicht nur, was die Kalorienversorgung angeht,
sondern auch hinsichtlich der Temperaturen. Und wenn die Preise für
Enerigie weiterhin so steigen, wie bisher, ist auch der Gefrierpunkt
leicht zu erreichen.

Erzähl allen, allen von mir

Erzähl allen, allen von mir

thumb_9783426274378.jpg.3965738Das schöne kurze Leben der Libertas Schulze-Boysen

Silke Kettelhake hat, legt man literarische Kriterien an, ein gutes Buch geschrieben. Die gelernte Journalistin hat sich mit diesem Buch über Libertas Schulze-Boysen an ein Thema gewagt, welches über die Person im Fokus des Werkes hinausragt und sie hat es hinsichtlich des schriftstellerischen Wertes ordentlich gemacht.

Und dennoch: Das Buch verharrt in einer, ganz unerklärlichen, unpolitischen Position. Es scheint der postmoderne Versuch zu sein, sich politischen Entscheidungen, die ja immerhin auch die Entscheidungen über den eigenen Tod waren, zu nähern ohne die Determinanten über das bloße individuelle Empfinden hinaus auch zu benennen. Streckenweise erinnerte mich das Buch an die Gespräche, die an den Kaffeetafeln meiner Großeltern und meiner Mutter über die "schwere Zeit" geführt wurden. Anekdoten und Kolportagen – ohne Zustandsberichte.

Das ist schade, denn die Akkribie, die Silke Kettelhake auf dieses Buch verwendet hat (es gibt viele Briefe, Fotos und Lebensdaten), hätte es vermocht, auch den Zustand Deutschlands unter der faschistischen Regierung so zu beleuchten, dass seine Schilderung eben nicht individualisierend wirkt. Und mit ihrem Gefühl für die Sprache, wäre es allemal gelungen, ohne kalt und pädagogisch zu werden.

Die großen Streiks

Die großen Streiks

thumb_t000000000282-02Episoden aus dem Klassenkampf

Die Kampfform des Streiks hat auch in Deutschland in den vergangenen Jahren wieder eine Renaissance erlebt. Sowohl DGB-Gewerkschaften als auch kleinere Gewerkschaften wie Cockpit haben mehr oder weniger erfolgreich ihre Lohnforderungen mit dieser Form der Auseinandersetzung unterstrichen.

Auch der Buchmarkt hat diese Renaissance des Themas gewürdigt – beginnend mit Michael Kittners Studie „Arbeitskampf. Geschichte – Recht – Gegenwart“ über Streiks in Deutschland bis hin zu der Arbeit von Peter Birke über „Wilde Streiks im Wirtschaftswunder: Arbeitskämpfe, Gewerkschaften und soziale Bewegungen in der Bundesrepublik und Dänemark“.

Dennoch deckt gerade der von Holger Marcks und Matthias Seiffert
herausgegebene Sammelband noch eine Lücke ab. Es geht, wie sie es im
Vorwort formulieren, um eine Schilderung von großen Streiks als
historische Ereignisse. Sie haben sich dabei auf elf, exemplarische
Streiks im 20. Jahrhundert fokussiert. Diese werden in lebendiger Form
als Streik an sich dargestellt und mit einem historischen Abriß der
Geschichte der Arbeitskämpfe im jeweiligen Land und der Biographie
eines wesentlich am Streik beteiligten Gewerkschaftlers (Frauen kommen
diesbezüglich leider zu kurz!) kontextualisiert.

Erinnerungen

Erinnerungen

Neuere Publikationen zum Spanischen Bürgerkrieg & der sozialen Revolution

Walther L. Bernecker / Sören Brinkmann: Kampf der Erinnerungen. Der Spanische Bürgerkrieg in Politik und Gesellschaft 1936-2006, Verlag Graswurzelrevolution Neckersheim 2006, Preis: 20,50 EUR,  378 S., ISBN: 978-3-939045-02-0.
Sören Brinkmann: Katalonien und der Spanische Bürgerkrieg, edition tranvía, Berlin 2007, Preis: 17,80, 160 S., ISBN: 978-3-938944-12-7.
Arthur Lehning: Spanisches Tagebuch & Anmerkungen zur Revolution in Spanien, edition tranvía, Berlin 2007, Preis: 18,00 Euro, 196 S., ISBN: 978-3-938944-04-2.
Heiko Schmidt (Hrsg.): Die Freiheit fällt nicht vom Himmel. Fundstücke aus dem Spanischen Bürgerkrieg, Preis: 15 Euro, 192 S., ISBN: 978-3-00-024106-2.

thumb_republicanwoman1936gtaroUnter dem Titel „Kampf der Erinnerungen“ nähern sich Walther L. Bernecker und Sören Brinkmann dem Spanischen Bürgerkrieg und der mit ihm verbundenen Erinnerungspolitik. Walther L. Bernecker gilt nicht umsonst als eine Koryphäe auf dem Gebiet der deutschsprachigen Forschung zum spanischen Bürgerkrieg. In seinem Teil in „Kampf der Erinnerung“ thematisiert er die unterschiedlichen Facetten des Bürgerkrieges und der Revolution in kenntnisreicher und pointierter Weise.

Michel in der Antike

Michel in der Antike

thumb_250px-auguste_rodin_-_grubleren_2005-02Anja Trebbin: Michel Foucaults Weg in die Antike

Anja Trebbin ist in ihrer Arbeit „Michel Foucaults Weg in die Antike“ – einer überarbeiteten Fassung ihrer als Magisterarbeit am Fachbereich Philosophie eingereichten Analyse  – der Frage nach Kontinuität und Bruch im Werke des französischen Philosophen Michel Foucault (1926-1984) nachgegangen. Ihr Fokus liegt dabei auf dem Zeitraum zwischen der Veröffentlichung von „Wille zum Wissen“ (1976) und dem Nachfolgeband „Der Gebrauch der Lüste“ (1983), die in ihrer Konzeption und Thematik häufig als ein Bruch im Denken Foucaults gedeutet werden, obwohl sie ursprünglich beide als Teil einer sechbändigen Reihe unter der Überschrift „Sexualität und Wahrheit“ geplant waren. Die konkrete Bruchstelle ist die Fokussierung der beiden Bände; es war die ursprüngliche These Foucaults, daß das Subjekt durch die äußere Macht und den Diskurs konstituiert wird, während er im zweiten Band auf die Techniken der Selbstdisziplinierung setzt und analysiert, die er anhand von Beispielen aus der römisch-hellenistischen Antike belegt.

Sammeln für ein Plagiat

Sammeln für ein Plagiat

thumb_stamp_pdrBerliner sollen für einen Palast spenden 

Die Kulturpolitik des Berliner Senats hat schon seit Jahren die Marotte, so zu tun, als würde Ephraim Kishon, der berühmte israelische Satiriker die Anleitung geschrieben haben. Nun aber ist sie vollends beim "Blaumilchkanal" angekommen.

War es in dem Stück Kishons noch eine ausgebrochener Irrer mit dem Fetisch, aus Tel Aviv ein zweites Venedig machen zu wollen, so braucht der Berliner Senat keine Dritten um seine Arbeit zu tun. Es geht auch nicht darum, den Ku'damm oder "Unter den Linden" in Kanäle zu verwandeln. Nein, es geht um ein Schloß. Das heißt, ganz eigentlich geht es um das Plagiat eines Schlosses: Des Berliner Stadtschlosses nämlich, welches an Stelle des aus politischen Asbestgründen abgerissenen Republikpalastes nun eines der Wahrzeichen der deutschen Hauptstadt werden sollen.

Chaos

Chaos

thumb_dowiechaoscoverRock’n’Roll aus der Kommune

Der Versuch, Subkulturen in Romanen adäquat abzubilden bzw. sie in einen Roman gekonnt einzubinden, ist in den meisten Fällen zum Scheitern verurteilt. Entweder ist der / dieAutorIn selber durch seine Zugehörigkeit zu dieser oder jener Subkultur zu tief in der Materie drin oder die Betrachtung entblößt sehr schnell die Unkenntnisse. Eine weitere Kategorie von Romanen umschifft diesen Problemkontext, indem bewußt mit Klischees gespielt wird.

Zu dieser Kategorie gehört auch der Debütroman „Chaos“ von der englischen Schauspielerin und Regisseurin Claire Dowie. Den Rahmen für ihren Roman bildet eine wilde 70er Jahre Hippiekommune, in der sich das Leben um Biogemüse, (pseudo)freie Liebe und Drogenkonsum dreht. In dieser Kommune wächst ihr Protagonist „Chaos“ auf, der mit seiner Band zum Weltstar aufsteigt und tragisch bei einem Autounfall ums Leben kommt. Ein Plot aus dem sich etwas machen liesse, den aber Claire Dowie leider verschenkt.

Das Bildungsprivileg

Das Bildungsprivileg

preisendoeferDas Bildungsprivileg – Warum Chancengleichheit unerwünscht ist

Bruno Preisendörfer

 

Bruno Preisendörfer hat dem "Das Bildungsprivileg" ein Buch geschrieben, welches nicht nur auf die Schreibtische der Bildungspolitiker, sondern auch in die Hände, der von ihnen Betroffenen gehört: Den Schülern, Eltern, Lehrern. Der Band, dessen Preis von 16,95 Euro eine gut angelegte Investition ist, ist faktenreich und in hohem Maße fundiert.

Dabei ist das Buch nicht trocken geschrieben. Durch den persönlichen Bezug – Preisendörfer ist, wie ich auch 1957 geboren -, zur Entwicklung von Bildung und Schule in der BRD, den der Autor nicht zu oft und nicht zu selten bildet, liest sich "Das Bildungsprivileg" ohne Langeweile.

Herr Lehmann

Herr Lehmann

thumb_lehmannHerr Lehmann goes Ear


Eine schöne Hör-CD vom Hörverlag

von Leander Sukov 

Herrn Lehmann brauche ich nicht vorzustellen. Das Buch war auf den Bestseller-Listen. Nur zur Erinnung: In Kreuzberg altert Herr Lehmann auf seinen dreißigsten Geburtstag zu. Lehmann ist aus Bremen und ganz Kreuzberg ist voll mit Schwaben und Menschen aus anderen, nicht berlinerischen Regionen. Der Dreißigste ist fatal für Lehmann, der gar nicht "runden" will und im Kreis seiner Freunde geschehen verwirrende Dinge, die non-chalant erzählt werden. Das Buch hatte sich einen Platz auf den Bestseller-Listen verdient. Die Hör-CD tut es auch.

Rudi und Ulrike

Rudi und Ulrike

thumb_ruulrDem Götz das Ärschle zeigen

Jutta Ditfurth: Rudi und Ulrike

Jutta Ditfurth hat ein notwendiges und wichtiges Buch geschreiben; eines, welches ich ausgesprochen gerne empfehle. Und zwar all jenen Vertretern des Anti-68ger-Revisionismus' ebenso, wie denen unter uns, die sich – wie ich – die Platze ärgern über Geschichtsklitterung und Oberflächlichkeit.Ditfurth schreibt fundiert. Was sie schreibt, belegt sie. Und dieses Buch, welches sich vordergründig um die Freundschaft zwischen Rudi Dutschke und Ulrike Meinhof dreht, eröffnet den Blick in eine BRD- und Westberlin-Wirklichkeit, die mit ihren postfaschistischen Erscheinungsformen ins Vergessen geschrieben werden soll, von einer adenauernden Mischpoke von rückwärtsgewandten Wendehälsen, die den Kohl noch einmal aufmerkeln wollen, den wir gottlob zwar noch als Erscheinungsform gegenwärtiger Politik und Moral am Hals haben, aber wenigstens nicht mehr auf dem Sessel der ausführenden Macht.

Schwule Nazis

Schwule Nazis

thumb_schwulenazisSchwule Nazis
Ein widersprüchliches Thema


In seinem ersten Buch versucht der Autor Markus Bernhardt das Verhältnis zwischen Neofaschismus und männlicher Homosexualität darzustellen und zu dokumentieren. Ein widersprüchliches wie auch heikles Thema. Schwule waren und sind Opfer, sie gehören zu den Opfergruppen des Faschismus und von Neofaschisten.

Aber sie sind es nicht nur. Sowohl im historischen deutschen Faschismus, Stichwort Ernst Röhm, als auch in der gegenwärtigen Neonazi-Szene finden sich aktive Schwule, und der Hang zum Fetisch "NS-Symbole" innerhalb von Teilen der schwulen Szene scheint nicht immer "nur" sexuell motiviert zu sein. Das alles findet nicht im luftleeren Raum statt. Auch innerhalb der schwulen Szene, insbesondere bei Medien und Verbandsfunktionären, ist nach der Phase der Entpolitisierung nunmehr ein verstärkter Rechtsruck zu beobachten, rassistische Vorurteile und Minderheitenfeindlichkeit sind auch hier zu finden.

Maurice Blanchot

Maurice Blanchot

thumb_blanchotMaurice Blanchot: Die uneingestandene Gemeinschaft.

Mit einem Nachwort von Gerd Bergfleth

In Deutschland ist der französische Literat und Philosoph Maurice Blanchot (1907-2003) bislang kaum außerhalb des akademischen Kontextes rezepiert worden. In Frankreich zählt er zu den größten Denkern des Landes, dessen Einfluß auf Denker wie Jean-Luc Nancy, Michel Foucault, Jacques Derrida und Gilles Deleuze maßgeblich war. Die vorliegende Schrift „Die uneingestandene Gemeinschaft“ ist erstmals 1983 in Frankreich erschienen und liegt nun auch endlich in deutscher Sprache vor.

Sein Essay gliedert sich in zwei Teile  – „Die negative Gemeinschaft“ und „Die Gemeinschaft der Liebenden“. Der erste Teil seiner Arbeit bezieht sich auf Jean-Luc Nancys „Die undarstellbare Gemeinschaft“ (Edition Patricia Schwarz Stuttgart 1988) – und der zweite Teil bezieht sich auf Marguerite Duras‘ „Die Krankheit Tod“ (Fischer Verlag, Frankfurt / M. 1985).

In Leder gebunden

In Leder gebunden

thumb_548_0In Leder gebunden
"SM in der Weltliteratur"

Großspurig erklärt Arne Hoffmann in seiner Studie „In Leder gebunden. SM in der Weltliteratur“ als Ziel der Arbeit einen Baustein für eine sadomasochistische Literaturtheorie – äquivalent zu einer homosexuellen – beisteuern zu wollen. Leider bleibt es bei der hochtrabenden Willensbekundung, da der Rest seine Studie sich weitestgehend als eine Zusammenstellung von Textauszügen vom Minnesang des Mittelalters bis modernen SM-Romanen handelt, auf die er durch zwei literaturwissenschaftliche Aufsätze gestossen ist und die er auch nur sehr oberflächlich kommentiert – statt sie zu analysieren. Neben den klassischen Autoren des Metiers wie Marquis de Sade und Sacher-Masoch finden sich so z.B. Frank Wedekind und Franz Kafka.

Robert Halbach: Der Rebell Anarchik

Robert Halbach: Der Rebell Anarchik

articlesRobert Halbach: Der Rebell Anarchik!


Weshalb schwingen die Anarchisten eine schwarze Fahne?

„In tiefer Nacht, wenn das Licht der Laternen die dunklen Winkel nicht mehr erreicht, und die Fassaden lange Schatten werfen, gehen mysteriöse, schreckliche Dinge vor. Durch die schlafende Stadt huschen schwarzgekleidete Gestalten mit tief in die fanatischen Fratzen gezogenen Schlapphüten und dämonischen Sturmhauben. Sie unterminieren das friedliche Gemeinwesen, verstecken gefährliches Material und schreiben ihr schwarzes Menetekel an die Mauern.

SechsSechsSechs

SechsSechsSechs

thumb_kramer01_001SechsSechsSechs … 

Eine wahrhafte Schnapsidee hat den Berliner Anarcho-Verleger vor ein paar Jahren in einer Kneipe im Wendland gepackt – die Erforschung des Hintergrundes der legendenumwobenen Zahl „666“ – der mystischen Zahl des Teufels. So besangen bereits die Heavy Metal-Recken von Iron Maiden die Zahl auf ihrem Album „The number of the beast“.

In seiner schnodderig liebenswürdigen Art und Weise hat sich Bernd
Kramer auf die Suche nach dem Hintergrund begeben, die Bibel („Die
Offenbarung des Johannes“) gewälzt, seine Bekannten genervt und
Theologen befragt, was es mit dieser Zahl und ihrem Mythos auf sich
hat. 

Berlin für Arme

Berlin für Arme

berlinarmeBernd und Luise Wagner


Berlin für Arme

Bernd und Luise Wagner haben ein Buch
geschrieben, welches gleich drei wichtige Pluspunkte auf sich
vereinigen kann: Es ist nützlich (jedenfalls wenn man arm ist), es
ist mit leichter Hand und viel Sprachverständnis geschrieben (macht
also schriftstellerisch seinen Autoren alle Ehre) und es ist
liebenswert (was bei mir bedeutet, dass es auf alle erhobenen
Zeigefinger verzichtet, die denkbar wären).

Worum geht es? Es ist ein Leitfaden zum
Erhalt der persönlichen Würde von Hartz-IV-Opfern und anderen
Verarmten. Es ist also ein Buch, welches in der gegen- und
widerwärtigen Bundesrepublik Deutschland einen hohen Stellungswert
haben sollte. Meine Rezension soll das ihre dazu beitragen, seiner,
des Buches, Verbreitung zu dienen. 

Hecken: Theorien der Populärkultur

Hecken: Theorien der Populärkultur

thumb_hecken
Thomas Hecken:


Theorien
der Populärkultur.


Dreißig Positionen von Schiller bis zu den
Cultural Studies

Der Begriff „Pop“
ist seit Ende der 70er Jahre ein mehr oder weniger schwammiger
Allerweltsbegriff geworden, der alles und nichts aussagt. Der Hype
des Begriffes war und ist unüberschaubar. Das Präfix „Pop“
mußte seitdem für die unterschiedlichsten Bereiche herhalten –
auf einmal gab es einen Forschungszweig zu „Pop-Theorie“, der von
(ehemaligen) Spex-Journalisten als ein neuer geístiger Spielplatz
erobert wurde, und in den 90ern mutierte selbst die an traditioneller
autonomen Politik orientierte Antifa zu einer „Pop-Antifa“ –
statt schwarz-weißer Plakate leuchteten einem auf einmal die
Demoaufrufe in knalligen Neonfarben im Stadtbild entgegen. 

Otto A. Böhmer: Joseph von Eichendorff

Otto A. Böhmer: Joseph von Eichendorff

thumb_joseph_eichendorffOtto A. Böhmer:

Joseph
von Eichendorff & Friedrich Nietzsche

Der promovierte
Literaturwissenschaftler und ehemalige Lektor des Brockhaus Verlages
Otto A. Böhmer ist seit ein paar Jahren damit beschäftigt, bekannte
deutsche Autoren in Form von biographischen Essays einem breiten
Publikum zugänglich zu machen. Das Repertoire reicht von Heinrich
Heine und Arthur Schopenhauer über Goethe und Schiller bis hin zur
Annäherung an Joseph von Eichendorff. Der im vergangenen Jahr
publizierte Essay über Eichendorff ist ein sehr flüssig geschrieben
und stark an seinem poetischen Werk orientiert, das Böhmer immer
wieder geschickt in seinen Text integriert.

Niebelungen

Niebelungen

Das Niebelungelied Eine Meisterleistung des Hörverlages   Der Hörverlag hat sich um etwas verdient gemacht, auf das ich im Genre des gelesenen Wortes nicht gehofft hätte: Das Niebelungenlied. Und seine Wahl es live durch Rolf Boysen einlesen zu lassen, war vermutlich die beste, die getroffen werden konnte. Über das Werk selbst will ich hier nichts […]

19 Minuten

19 Minuten

978-3-86717-252-3_picoult_19minutenJodi Picoult: 19 Minuten

Ein Gesellenstück mit wenigen Fehlern

 

Wichtig bei einer Hör-CD ist nur, was gelesen wird, sondern in gleichem Maße, wie gelesen wird. Und ich darf Ihnen versichern: Ich kenne grausame und grauslige Leser, die jedes, noch so gute Buch, zu Grunde lesen. Aber die, welche dieses Buch eingelesen haben, sind nicht von der Sorte der Eliminatoren. Nein ganz im Gegenteil. Katharina Wackernagel, Tom Schilling, Rosalie Thomas, Ulrike Hübschmann, Bernhard Schütz und Oliver Brod hätte ich mir schon oft als jene gewünscht, die mir Literatur aufsagen.

Über Kritiken

Über Kritiken

Unsere Kritiken Wir mögen keine vergleichende Kritik. Kulturwissenschaftler mögen uns diese ganz unwissenschaftliche Art des Kritisierens verzeihen. Für uns sind fast alle Aufführungen singulär. Wir versuchen, so gut wir können jede Aufführung des Stücks, die wir vorher gesehen haben, zu vergessen. Auf der Rosinante der Kritik gegen die Windmühlen des eigenen Wissens – aber immerhin: […]